Multi-Crew Pilot Licence

Nun kommt sie also, die Multi Crew Pilot Licence

Sehnlichst „herbeigewünscht“ und erkämpft von einigen Visionären, soll sie wahre Wunder wirken! Schneller und billiger zur Lizenz - ein Allheilmittel gegen den drohenden Pilotenmangel? Gerade noch das Schlimmste durch den Weltpilotenverband und Frankreich verhindert?

Ganz so einfach ist es dann aber doch nicht...
Auch wenn einige Artikel in einschlägigen Fachzeitschriften einen glauben machen, dass sich alles nur noch um 70 oder gar 60 Stunden Ausbildung im richtigen Flugzeug dreht.

Nicht weiter verwunderlich, dass hier die Emotionen hochkochen!

Da stellt sich doch schon die Frage, ob hier bewusst Fakten verdreht werden oder einige schlicht nicht verstanden haben oder verstehen wollen, was drei Jahre lang im Flight Crew Licensing & Training Panel der ICAO äußerst heftig diskutiert und dann im Konsens beschlossen wurde!

Das Ergebnis ist unzweideutig protokollarisch festgehalten!

Um mal die Kirche im Dorf zu lassen: Vorerst dürfte eine Ausbildung, die massiv auf Full Flight Simulatoren setzt, nicht billiger werden, als wenn man den Großteil seiner Flugausbildung auf Cessna 150 u.ä. Gerät verbringt.

Die Idee und Chance des MPL ist, interativ herauszufinden, wie die optimale Pilotenausbildung unter heute anderen Rahmenbedingungen als noch vor 50 Jahren gestaltet sein muss...

Der MPL, eine Geschichte in mehreren Episoden... oder: Wie viele Stunden und auf welchem Gerät braucht denn jetzt eine angehende Pilotin/ein angehender Pilot, um die Mitverantwortung für Wohl und Wehe einer Fluggesellschaft und deren Passagiere übernehmen zu können?

Wir wissen es immer noch nicht genau.

Die Lösungen sind so vielfältig wie wir Menschen zahlreich sind.

Was zählt, ist das Ergebnis und eine optimale Ausbildung auf dem Weg dahin.

Angepasst an komplexere Flugzeuge, Systeme, Technologien & CRM, aber auch an neuere Trainingsgeräte als noch vor 50 Jahren.

Was bleibt, ist die Notwendigkeit, unseren zukünftigen Kollegen das fliegerische Handwerkszeug mit auf den Weg zu geben.

Die Koordination im dreidimensionalen Raum aber lernen Kinder spielend, kletternd auf Bäumen, springend über Bäche, im Spaß an der Bewegung. Die Generation der Computerkids zeigt da deutliche Defizite.

Die unmittelbaren physikalischen Grenzen und die Folgen deren Nichtanerkennung oder auch einer Unachtsamkeit im falschen Augenblick, werden uns nur in der Realität, und dann leider manchmal auch tragisch, klar.

Wir brauchen das emotional tief verankerte Wissen um unsere Grenzen und einen gehörigen Respekt vor diesen, um uns ein Fliegerleben lang immer wieder daran orientieren zu können!

Um dieses fliegerische Basiswissen herum kann mit einer Vielzahl von Geräten das nötige „Beiwerk“ der Fliegerei erlernt werden. Verfahren lassen sich tatsächlich sehr gut und effektiv im Simulator erlernen.

Je besser die entsprechenden „Geräte“ an den Lerntask angepasst sind, desto besser kann das Ergebnis sein.

Um die optimale Formel aus „Hardware“ und „Zeit“ herauszufinden, hat die europäische Umsetzung des ab November 2006 in Kraft tretenden, überarbeiteten ICAO Annex I keine Mindestflugstunden mehr festgelegt. Es besteht lediglich ein Rahmen von mindestens 240 Stunden Ausbildung.

Hierbei muss man beachten, dass PF- & PNF-Stunden in bestimmten Konfigurationen addiert werden können, also o.g. Stunden komplett Training sind, (natürlich bis auf „Solo“, etc.) und dass das Typerating im MPL inkludiert ist.

Die Verantwortung für die Qualität der Ausbildung liegt viel deutlicher als bisher bei den Schulen und den Airlines, die dieses Konzept übrigens nur in enger Kooperation umsetzen können.

Die Ausbildung und konstante Evaluierung geht bis ins Line Training der die Piloten übernehmenden Airline. Auf diese Art und Weise ist gleichzeitig das Qualitätsmonitoring und der nötige Feedbackloop wieder in die Flugschule zurück sicher gestellt.

Ausgangspunkt und gleichzeitig Messlatte für jegliche MPL-Ausbildung weltweit ist, das uns bekannte ab initio-Konzept und eine graduelle Veränderung desselben - hin zu vermehrter Nutzung von Simulatoren in der Ausbildung.

Voraussetzung hierzu ist wiederum ein konstanter Evaluierungsprozess eines jeden Flugschülers, in jeder Flugstunde. Etlichen Kollegen dürfte das Konzept bekannt vorkommen, unter dem Namen Competency based Training ist es jetzt auch in den Gesetzestext übernommen worden.

In Australien und Neuseeland wird dieses auf das Endergebniss statt auf Flugstunden ausgerichtete Konzept bereits erfolgreich für die Ausbildung zum PPL, CPL & IR umgesetzt. Es führt dort nachweislich zu einem erhöhten Stundenbedarf im Training.

Ganz ohne Frage bedarf dieses Konzept einer besonderen „Pflege und Aufsicht“

Ein Implementation Board wird im JAA-Environment die Begleitung und die Kontrolle der Umsetzung des MPL und der damit laufenden Evaluierung sein.

Dieses Board entsteht auf unser Betreiben, neben den einzelnen nationalen Behörden sind wir Pilotenverbände, die großen Hersteller Airbus und Boeing, der europäische Verband der Verkehrsfliegerschulen und die europäischen Airlines eingeladen dort zu partizipieren.

Unsere Unterstützung oder Opposition für das Projekt MPL steht und fällt mit der korrekten Umsetzung der ICAO-Beschlüsse im JAA-Environment. Die Umsetzung ist auf dem richtigen Weg.

Derzeit sind wir guter Dinge, dass wir tatsächlich die Vorteile dieses noch neuen und mutigen Konzepts für eine effektivere und zielgerichtetere Ausbildung nutzen können.


Uwe Harter
AG QUAT