Anja Granvogl, Vorständin Flight Safety / © Vereinigung Cockpit e.V.

Flight Safety

Mehr Tempo bei Verweisungsverfahren

Beim zweiten Termin des Runden Tisches Flugmedizin haben Fliegerärzte und Behörden über Verbesserungen bei den medizinischen Verfahren gesprochen. Im Mittelpunkt stand der aufwendige Dokumentationsprozess. VC-Vorständin Anja Granvogl erklärt, welche Lösungen diskutiert werden – und warum sie trotz positiver Signale weiterhin genau hinschaut.

Anja, es gab inzwischen den zweiten Termin am Runden Tisch zu Verweisungsverfahren. Worum ging es dabei konkret?
Beim zweiten Termin ging es im Wesentlichen um den Dokumentationsprozess. Die Fliegerärzte hatten bereits beim ersten Treffen angemerkt, dass dieser Prozess für sie sehr kompliziert ist. Es werden viele Dokumente benötigt, und häufig müssen Unterlagen nachgereicht werden, bis alles vollständig ist. Das liegt auch daran, dass die Unterlagen für die Prüfung beim LBA entsprechend aufbereitet werden müssen. Deshalb wurde darüber gesprochen, wie sich dieser Prozess verbessern lässt.

Welche Vorschläge standen im Raum?
Ein Thema war das EMPIC-System, also die Software, über die die Dokumente eingereicht werden und über die der gesamte Prozess läuft. Die Fliegerärzte haben darauf hingewiesen, dass es sinnvoll wäre, dieses System zu aktualisieren. Zwar wurde angekündigt, dass ein komplett neues System entwickelt werden soll, aber dessen Einführung verschiebt sich immer wieder. Deshalb wäre zumindest eine gute Zwischenlösung wichtig.

Gab es darüber hinaus weitere Ideen?
Ja, ein Ansatz ist, sich an Systemen zu orientieren, bei denen es für bestimmte Diagnosen klare Checklisten gibt. Die Fliegerärzte können dann anhand dieser Kriterien selbst entscheiden, ob die Flugtauglichkeit wieder erteilt werden kann. Nur wenn bestimmte Tests auffällig sind, muss der Fall an die Behörde weitergegeben werden. Das würde natürlich auch die Arbeitslast beim LBA reduzieren.

Wie soll das konkret umgesetzt werden?
Im nächsten Schritt sollen Diagnosen identifiziert werden, bei denen ein solches Vorgehen möglich wäre – also Erkrankungen, bei denen Fliegerärzte selbst entscheiden können und ab wann ein Fall an das LBA weitergegeben werden muss. Ein Beispiel wäre etwa eine Blinddarmentfernung. Das sind medizinisch meist Routinefälle, bei denen jemand nach kurzer Zeit wieder vollständig fit ist. Darum soll es im nächsten Termin gehen. Dieser ist in etwa vier Wochen geplant.

Wie bewertest du insgesamt die Gespräche bisher?
Ich bin zumindest froh, dass das Bundesministerium signalisiert hat, dass es das Thema ernst nimmt und wirklich an einer Prozessverbesserung arbeiten will. Es hat verstanden, dass es für die Kolleginnen und Kollegen ein existenzielles Thema ist – und dass es auch eine Frage der Flugsicherheit sein kann, wenn sich Menschen aus Angst vor komplizierten Verfahren nicht melden.

Also ein positives Signal?
Ich würde sagen: Wir sind weiterhin vorsichtig optimistisch. In der Vergangenheit haben wir auch schlechte Erfahrungen gemacht, wenn es um solche Prozessverbesserungen geht. Deshalb werden wir sehr genau beobachten, wie sich das weiterentwickelt. Wenn wir das Gefühl haben, dass der Prozess wieder ins Stocken gerät, werden wir entsprechend reagieren.

Das heißt: Ihr bleibt eng dran?
Auf jeden Fall. Wir begleiten den Prozess sehr engmaschig. Unser Ziel ist, dass sich wirklich etwas verbessert und die Verfahren nicht wieder über Jahre hinweg auf der Stelle treten. Deshalb bleiben wir dran und schauen genau hin.