Zukunft der Fachgewerkschaft

Zwischen Angriff und Aufbruch?!

Zukunft der Fachgewerkschaft

Zwischen Angriff und Aufbruch?!

Unter dem Titel „Zukunft der Fachgewerkschaft – zwischen Angriff und Aufbruch!?“ diskutierten Vertreterinnen und Vertreter verschiedener Fachgewerkschaften am 24. November in der Vereinigung Cockpit über Strategien, gemeinsame Herausforderungen und Perspektiven zu diskutieren.

Als prominente Gäste sprachen Claus Weselsky, stellvertretender dbb-Bundesvorsitzender, sowie Prof. Dr. Stefan Greiner von der Universität Bonn, über Themen wie die Herausforderungen durch gewerkschaftliche Konkurrenz und die Bedeutung eigenständiger Fachgewerkschaften in einem sich wandelnden Tarifgefüge oder die rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen nach dem Tarifeinheitsgesetz.

Durch die Veranstaltung führte Dr. Andreas Pinheiro, Präsident der Vereinigung Cockpit, gemeinsam mit  VC-Vizepräsidentin Katharina Dieseldorff. Für Pinheiro ist dabei klar: „Fachgewerkschaften sind das Rückgrat spezialisierter Berufsgruppen. Sie garantieren Expertise, Nähe zu den Mitgliedern und handlungsfähige Tarifpolitik. Gerade deshalb ist es wichtig, dass wir uns gemeinsam über unsere Zukunft verständigen.“
 

„Tarifpluralität wurde mit dem TEG per Gesetz ausgehebelt“

Interview mit Claus Weselsky

Claus Weselsky, Bundesehrenvorsitzender der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und heutiger stellvertretender dbb-Bundesvorsitzender, spricht über gewerkschaftliche Konkurrenz, das Tarifeinheitsgesetz und die Bedeutung starker Fachgewerkschaften.

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Claus Weselsky zur Koalitionsfreiheit

Die Frankfurter Erklärung der Fachgewerkschaften zeigt: Tarifpluralität und Fachgewerkschaften sind zentrale Elemente demokratischer Mitbestimmung. Beschäftigte müssen die Freiheit haben, sich in der Gewerkschaft ihrer Wahl zu organisieren - ohne strukturellen oder rechtlichen Druck.

Claus Weselsky, stellvertretender Bundesvorsitzender des dbb beamtenbund und tarifunion bringt es auf den Punkt: „Wir haben uns dagegen gewehrt und werden uns auch künftig dafür einsetzen, dass Gewerkschaften nicht in ihrer Existenz bedroht werden – sei es durch politische Eingriffe oder gesetzliche Regelungen.“

Die Frankfurter Erklärung unterstreicht damit deutlich, dass Gewerkschaftsfreiheit ein unverzichtbarer Bestandteil einer lebendigen Demokratie ist.

Video: Tim Goger

www.youtube.com/watch

Frankfurter Erklärung der Fachgewerkschaften

Ein Tag, der klar gezeigt hat, wie wichtig spezialisierte Expertise für eine zukunftsfähige Tarifpolitik ist: Beim Symposium der Fachgewerkschaften wurde deutlich, dass wir als Fachgewerkschaften vor ähnlichen Herausforderungen stehen – und wie wertvoll es ist, sich zu vernetzen und Wissen zu teilen.

https://www.youtube.com/watch?v=hav7N3xcqBs

 

Frankfurter Erklärung der Fachgewerkschaften

Die Arbeitswelt ist vielfältig – genauso wie die Menschen, die in ihr tätig sind. Diese Vielfalt braucht starke Stimmen, die ihre Interessen kompetent und nah an der Realität vertreten. Fachgewerkschaften leisten hierzu einen unverzichtbaren Beitrag: Sie stehen für spezialisierte Vertretung, echte Mitbestimmung und demokratische Vielfalt. 

Doch gesetzliche Einschränkungen, Machtpolitik großer Organisationen und der Trend zur Vereinheitlichung gefährden diese Pluralität. Wir treten gemeinsam dafür ein, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ihre Interessen frei und wirksam vertreten können – unabhängig, fachnah und zukunftsorientiert. 

Wir, die unterzeichnenden Fachgewerkschaften, erklären gemeinsam:  

Wir, die unterzeichnenden Fachgewerkschaften, erklären gemeinsam: 

  1. Die Koalitionsfreiheit ist unantastbar
    Die Freiheit, sich in einer Gewerkschaft eigener Wahl zusammenzuschließen, ist durch das Grundgesetz geschützt. Sie gewährleistet, dass Beschäftigte ihre Interessen unabhängig, plural und selbstbestimmt vertreten können. Jeder Versuch, diese Freiheit einzuschränken, läuft nicht nur der Verfassung zuwider, sondern auch den Prinzipien von Demokratie und sozialer Marktwirtschaft.
     
  2. Für echte Tarifpluralität
    Das Tarifeinheitsgesetz geht zu oft zulasten von Fachgewerkschaften und stellt die Machtbalance im Arbeitsleben einseitig zugunsten großer Organisationen her. Es zwingt Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in tarifliche Vertretungen, die möglicherweise nicht ihre Realität kennen oder ihre Interessen teilen. Wir wollen echte Tarifpluralität. Nur so können die Beschäftigten sicher sein, dass ihre Stimme Gewicht behält und ihre Interessen nicht unter die Räder von Flächengewerkschaften geraten.
     
  3. Gegen gewerkschaftliche Machtpolitik
    Gewerkschaften sind keine Selbstzweckorganisationen. Sie sind für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer da – nicht für Machtspiele. Wenn große Gewerkschaften in Bereiche drängen, in denen ihnen die Fachkenntnis fehlt, dann schwächt dies die Vertretung der Beschäftigten.   
     
  4. Fachgewerkschaften sind unverzichtbar
    Fachgewerkschaften sind nah an den jeweiligen Berufen, Unternehmen und Branchen. Sie verstehen die besonderen Belastungen, Risiken und Herausforderungen ihrer Mitglieder. Nur durch diese Spezialisierung entstehen passgenaue Tarifabschlüsse, die den realen Bedürfnissen der Beschäftigten aber auch Unternehmen gerecht werden. Wo Fachgewerkschaften stark sind, fühlen sich die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ernst genommen und wirksam vertreten.
     
  5. Fachwissen als Zukunftsfaktor
    Fachgewerkschaften bündeln das Wissen und die Erfahrung ihrer jeweiligen Berufsgruppen. Damit tragen sie maßgeblich zur Zukunftsfähigkeit ganzer Branchen bei. Es liegt in ihrem ureigenen Interesse, dass ihre Berufe und Branchen erfolgreich bleiben – mit sicheren, fairen und attraktiven Arbeitsplätzen. Wo Fachgewerkschaften stark sind, wird nicht nur für die Beschäftigten, sondern auch für die Qualität, Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit der gesamten Branche gesorgt.
     
  6. Mehr Gehör für Fachgewerkschaften
    Wir fordern die politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger auf, Fachgewerkschaften als gleichwertige Partner anzuerkennen und ihnen auch auf der politischen Bühne Gehör zu verschaffen. Eine moderne Arbeitswelt braucht Pluralität, Vielfalt und Fachwissen. Wer nur auf die Großorganisationen setzt, nimmt in Kauf, dass wichtige Stimmen überhört werden und Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer schlechter gestellt sind. 

Verabschiedet am 24. November 2025 in Frankfurt am Main