Airport and Ground Environment (AGE)

Seit 1977 ist die AG Airport & Ground Environment eine der berufspolitischen Arbeitsgruppen der Vereinigung Cockpit, mit dem obersten Ziel die Sicherheit in der Luftfahrt weiter zu verbessern. Wir beschäftigen uns dabei mit den Flughäfen und deren unmittelbarem Nahbereich, infolgedessen wir auch seit nun mehr fast 40 Jahren die Sicherheitsausrüstung der deutschen Verkehrs- und Regionalflughäfen untersuchen.
Mit unserer Expertise sind wir auf nationaler, wie internationaler Ebene tätig und widmen uns vielen
verschiedenen Themen:

  • Erstellung und Pflege des VC-Flughafenchecks (mehr Infos siehe unten)
  • Rescue & Fire Fighting (mehr Infos siehe unten)
  • Wildlife Hazard (mehr Infos siehe unten)
  • Regelmäßiger Austausch mit den deutschen Flughäfen und ihren Dachverbänden, wie dem ADV oder IDRF
  • Einbringung einer unabhängigen, Airline-übergreifenden Pilotenmeinung in die „Local Runway Safety Teams“ der deutschen Flughäfen
  • Mitarbeit über die europäische Pilotenvereinigung ECA an den Eurocontrol Action-Plänen EAPPRI und EAPPRE bzgl. Runway Excursions und Incursions (mehr Infos siehe unten)
  • Mitwirkung an der Erstellung von einheitlichen europäischen Regelwerken für die Luftfahrt bei der EASA
  • kontinuierliche Anpassung und Verbesserung der ICAO-Regeln über die aktive Mitarbeit im AGECommittee des internationalen Pilotenverbandes IFALPA

Die AG zählt aktuell 13 Mitglieder aus verschiedenen deutschen Flugbetrieben (TUIfly, Air Berlin, Lufthansa, LGW, Germanwings). Dadurch, dass einige von uns aber immer mal wieder aus familiären oder beruflichen Gründen ein wenig kürzer treten oder ganz mit der Mitarbeit aufhören müssen, entsteht beinahe ein permanenter Bedarf an Nachwuchs.
Die Mitarbeit in unserer Arbeitsgruppe ist rein ehrenamtlich und erfordert keine besonderen Vorkenntnisse. Bei Interesse melden Sie Sich einfach unter der E-Mail Adresse:

AGAGE@VCockpit.de

Wir treffen uns ca. vier bis fünf Mal im Jahr zu ein- oder zweitägigen Sitzungen. Meistens finden diese
Sitzungen in den Räumen der Vereinigung Cockpit in Frankfurt oder Berlin statt. Zwischendurch stehen auch unregelmäßig Treffen mit Flughäfen, Behörden oder anderen Verbänden an.
Sollten wir Ihr Interesse geweckt haben, freuen wir uns von Ihnen zu hören!

Im Folgenden möchten wir Ihnen einige unserer Themen noch genauer vorstellen:

VC-Flughafencheck

Seit 1978 werden die deutschen Verkehrsflughäfen von der AG-AGE auf ihre Sicherheitsausstattung hin untersucht. Im Jahr 1996 wurden erstmals auch die Regionalflughäfen betrachtet. Die daraus entstandene „Flughafen Mängelliste“ erlangte in den folgenden Jahren immer mehr Bekanntheit.
Im Jahr 2015 wurde das Bewertungssystem entscheidend verändert und mit dieser Umstellung erhielt das Projekt auch einen neuen Namen. Alle deutschen Flughäfen mit regelmäßigem Linienverkehr werden seitdem im Rahmen des neuen „VC-Flughafenchecks“ untersucht. Die alte „Mängelliste“ ist dabei nur noch ein Teil des Checks und listet deutliche Mängel an den deutschen Flughäfen auf, die umgehend behoben werden sollten.

Unser Anspruch an die deutschen Flughäfen lautet seit jeher „One Standard of Safety“. Dabei ist es unerheblich wie viel oder wenig Verkehr ein Flughafen hat, wie das Umland des Flughafens aussieht, ob er alt oder neu ist, Regional- oder Verkehrsflughafen oder welche anderen Umstände diesen Flughafen eventuell hervorheben.
Unserer Meinung nach sollte jede Flugzeugbesatzung und jeder Passagier, unabhängig welche Strecke geflogen wird, immer ein gleichbleibendes Niveau an Sicherheit vorfinden.
Ein geringes Flugaufkommen garantiert leider keine höhere Sicherheit, sodass anerkannte Sicherheitsmaßnahmen auch auf kleineren, seltener genutzten Flughäfen erforderlich sind.
Die Arbeitsgruppe Airport & Ground Environment untersucht daher jährlich die deutschen Flughäfen und
beurteilt sie anhand eines einheitlichen, auf alle Flughäfen gleichermaßen angewandten Bewertungsschemas.
Bewertet werden hierbei die luftseitigen Sicherheitsausstattungen von Flughäfen. Nicht betrachtet werden landseitige Einrichtungen wie Terminalgebäude, Personenkontrollen, Parkhäuser oder ähnliches.
Der Sinn des „VC-Flughafenchecks“ soll dabei sein, auf der einen Seite die hohe Sicherheit der deutschen Flughäfen darzustellen, gleichzeitig aber auch aufzuzeigen, an welchen Stellen sich die Flughäfen verbessern können, sollten und manchmal auch müssen.

Durch den „VC-Flughafencheck“ wird nicht die Arbeit der Genehmigungsbehörde überprüft oder gar ersetzt. Die Untersuchung durch die Vereinigung Cockpit stellt eine reine Cockpit-Sicht dar und soll Möglichkeiten aufzeigen, die bestehende Sicherheit der deutschen Flughäfen kontinuierlich zu verbessern.

Hier geht's zu den Flughafenchecks.

Rescue & Fire Fighting

Ein Großteil der Zwischen- und Unfälle im Luftverkehr ereignet sich im direkten Umfeld der Flughäfen. Daher ist eine ständig einsatzbereite und gut ausgerüstete Flughafenfeuerwehr ein wichtiger Sicherheitsbaustein. Sie ist speziell dafür ausgebildet, bei Notfällen mit Flugzeugen oder anderen Gefahrensituationen am Flughafen schnelle und qualifizierte Hilfe zu leisten.
Mit unserem Engagement setzen wir uns für einen hohen Standard der Flughafenfeuerwehren in Deutschland, aber auch weltweit ein. Hierzu zählt vor allem die Verbesserung von nationalen und internationalen Vorschriften (u.a. ICAO Annex 14) und Gesetzen.
Ein Beispiel unserer erfolgreichen Arbeit ist die in der VC-Initiative „Sicherer Himmel 2008“ empfohlene
Implementierung einer „Feuerwehrfrequenz“. Diese direkte Funkverbindung zwischen der Flughafenfeuerwehr und den Piloten im Cockpit ermöglicht es, wichtige Informationen direkt zwischen den Beteiligten auszutauschen und damit wertvolle Zeit zu sparen.
Der Blickwinkel aus dem Cockpit ist stark eingeschränkt und erlaubt primär nur die Sicht nach vorne. Um die Situation außerhalb des Flugzeugs besser einzuschätzen zu können, ist die Crew auf Informationen von Außen durch die Feuerwehr angewiesen, die über Funk ihre Lageeinschätzung somit direkt mitteilen kann.
Rettungsmaßnahmen und Flugzeugevakuierungen können dadurch besser abgestimmt und koordiniert werden.
Zusammen mit der Deutschen Flugsicherung (DFS), der Flughafenfeuerwehr Frankfurt und anderen ist es uns gelungen, eine solche Frequenz auch in Deutschland zu etablieren. In Zukunft müssen jedoch Verfahren noch weiter angepasst und die Nutzung der Frequenz auch für ausländische Piloten in englischer Sprache ermöglicht werden, damit diese ebenfalls vom Sicherheitsgewinn profitieren können.
Weiterhin streben wir den Austausch von Erfahrungen sowie ein besseres gegenseitiges Verständnis von Arbeitsabläufen im Cockpit und bei den Flughafenfeuerwehren an.
In Zukunft möchten wir erreichen, dass nicht nur angehende Piloten in ihrer Ausbildung, sondern auch aktive Piloten immer wieder umfassend zum Thema „Rescue and Fire Fighting“ geschult werden. Ein Konzept und entsprechende „Policy Papers“ sollen hierfür erarbeitet werden.
Ein guter Austausch und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Beteiligten untereinander sind die
Grundvoraussetzung für die Ziele unserer Arbeit - die Sicherheit im Luftverkehr.

Wildlife Hazard

Seit der Mensch gelernt hat sich im Luftraum zu bewegen, kam es immer wieder zu kritischen Begegnungen mit den eigentlichen Bewohnern dieser Sphäre, den Vögeln, Fledermäusen und Insekten. Aber auch Hunde, Hirsche, Wildschweine, Schlangen oder Krabben oder sogar Krokodile können für startende und landende Luftfahrzeuge und deren Insassen eine potentielle Gefahr darstellen.
Während sich die Sicherheitsmaßnahmen zu Beginn der Fliegerei lediglich auf das Tragen einer Motorradbrille zum Schutz vor Wind und Insekten beschränkten, entstanden seit dieser Zeit viele Ansätze und Ideen, um Crews wie Passagiere vor Wildtierschlägen zu schützen. Dennoch gibt es bis heute trotz Versuchen mit verschiedenen Composite-Materialien, vogelschlagsicheren Triebwerk-Spinnern oder beheizten Cockpitscheiben keinen effektiven technischen Schutz im oder am Flugzeug.
Aus diesem Grund betrachtete man auch die Flughäfen selbst genauer und versucht, zumeist sehr erfolgreich, jeweils durch ein individuell angepasstes Biotopmanagement die biologische Flugsicherheit zu verbessern.
Dazu zählen neben Maßnahmen wie der Errichtung von Wildtierzäunen, Anbringung von Spikes auf Schildern und Gebäudeteilen, Bejagung durch Falkner oder der Pflege bebauter wie unbebauter Flächen, ebenso ein Schnittmanagement der Wiesenflächen, avifaunistische und geologische Biotopanalysen, ein Gewässer- und Müllmanagement sowie der Einsatz von Verschreckungs-Systemen wie z.B. Lichtblitze, Laserkanonen und pyrotechnische Systeme.
Unsere Aufgaben als AG-AGE:

  • innerhalb der gesamten Pilotenschaft ein Bewusstsein für die Gefahr durch Wildtierschläge zu schaffen und spezifisches Fachwissen zu vermitteln
  • eine enge Zusammenarbeit mit dem deutschen Vogelschlagkomitee, DAVVL e.V. (Deutscher Ausschuss zur Verhütung von Vogelschlägen)
  • Sammlung und Austausch von Daten zur biologischen Flugsicherheit mit Airlines, Flughäfen internationalen Luftfahrtverbänden und anderen
  • Teilnahme an Veranstaltungen internationaler Pilotenverbände und Vogelschlagkomitees zum Austausch von Erfahrungen
  • Vermittlung von Kontakten zur Zusammenarbeit zwischen Luftfahrzeugherstellern,
  • Luftfahrtunternehmen, Piloten, biologischen Instituten, Behörden, der Flugsicherung und weiteren, mit dem Ziel der Verbesserung der biologischen Flugsicherheit
  • Kommunikation mit Behörden, Interessenverbänden, wie Naturschutzverbänden oder Flughafenausbaugegnern, sowie Hörfunk- und TV-Medien

European Action Plan for the Prevention of Runway Excursions (EAPPRE)

Über die letzten 20 Jahre ging der prozentuale Anteil von nahezu allen Arten von Flugunfällen oder
Zwischenfällen kontinuierlich zurück. Runway Excursions, also das unbeabsichtigte Verlassen von befestigten Start- und Landebahnen, bilden hier eine Ausnahme. Der Anteil der Runway Excursions blieb bei steigenden Flugzahlen und trotz verbesserten Sicherheitssystemen wie Umkehrschub, Antiblockiersystemen oder der präziseren Berechnung der Landing Performance leider gleich.
Eurocontrol erarbeitete unter Einbeziehung aller Beteiligten, so auch der Europäischen Pilotenvereinigung ECA, den „European Action Plan on the Prevention of Runway Excursions“.

Link zu EAPPRE

 European Action Plan for the Prevention of Runway Incursions (EAPPRI)

Runway Incursions sind Zwischenfälle bei denen ein Flugzeug oder Fahrzeug unberechtigt auf eine Start- bzw. Landebahn aufrollt beziehungsweise in deren Schutzbereich eindringt.
Diese Zwischenfälle gehen in den meisten Fällen glimpflich aus. Oft merken dabei beteiligte Crews noch nicht einmal etwas von der Runway Incursion. Dennoch haben Runway Incursions das Potential zu einer absoluten Katastrophe. Der Flugunfall mit den bisher meisten Toten (über 550 Opfer) 1977 in Teneriffa Nord war beispielsweise unter anderem das Ergebnis einer Runway Incursion.
Die Wahrscheinlichkeit solcher Zwischenfälle und Unfälle kann durch eine Reihe von Maßnahmen reduziert werden. Bereits in der Planungsphase kann man Flughäfen so anlegen, dass Betriebspisten nicht gekreuzt werden müssen. Ist ein Flughafen schon gebaut, kann man durch Lichtzeichen (Runway Guard Lights, Stopbars) oder Bodenmarkierungen (No-Entry Markierungen, Haltebalken) die Aufmerksamkeit der betroffenen Personen auf die vor ihnen befindliche Start-/Landebahn lenken.
In Zusammenarbeit mit allen Beteiligten, wie auch der Europäischen Pilotenvereinigung ECA, sammelte
Eurocontrol Hinweise und „best practises“, um Runway Incursions auf das absolute Minimum zu reduzieren.
Diese Hinweise sind im „European Action Plan for the Prevention of Runway Incursions“ zusammengefasst.

Link zu EAPPRI

Mitglieder

Böttcher, Lorenz  
Bringewat, Deniz  
Drichel, Peter  
Esser, Arion  
Graßmück, Sven  
Herz, Philippe  
Köhler, Stefan  
Oser, Martin Ulrich stv. Leiter AG AGE  
Rui, Tobias  
Siedel, Jons-Philipp  
Starke, Wolfgang Leiter AG AGE  
Winkelmann, Matthias