Aktuelle Informationen zur „Neue Grippe“ (Schweinegrippe) H1/N1

Hintergrundinformationen

Wie aus der Presse bekannt ist, hat die WHO (Weltgesundheitsorganisation) am 11.6.2009 Phase 6 in Bezug auf die „Neue Grippe/Schweinegrippe“ ausgerufen. Es handelt sich um eine Pandemie, also um eine weltweite Ausbreitung einer infektiösen Erkrankung. In Deutschland ist nach Schätzungen der Experten beim Robert Koch Institut (www.rki.de) eine weitere Ausbreitung der Grippe als sicher anzunehmen. Ebenso wie bei der jährlich wiederkehrenden Grippewelle (saisonale Influenza) haben ältere Menschen, Schwangere bzw. Menschen mit chronischen Vorerkrankungen ein höheres Risiko an Komplikationen der neuen Grippe zu leiden bzw. daran zu versterben. Jedoch geht man davon aus, dass auch jüngere gesunde Menschen aufgrund eines fehlenden Immunschutzes in der Bevölkerung an schweren Verläufen erkranken können. So trat circa ein Drittel bis die Hälfte der schweren Fälle bei bisher gesunden jungen Menschen auf. Dies liegt daran, dass das jetzt vorliegende Virus bisher in dieser Form noch nicht in der Weltbevölkerung aufgetreten ist. Ältere Menschen haben eventuell sogar einen gewissen, jedoch nicht sicher einzustufenden Immunschutz aufgrund vorangegangener Kontakte mit ähnlichen Grippeviren.
In Deutschland hat das Robert Koch-Institut den gemeinsam von Bund und Ländern getragenen Nationalen Influenzapandemieplan Anfang 2005 und eine aktualisierte Fassung 2007 veröffentlicht. Ebenso werden von den Ländern eigene Influenzapandemiepläne bearbeitet; hierzu sind in der Vergangenheit auch Übungen etc. durchgeführt worden. Des Weiteren hat Deutschland 50 Millionen Impfdosen des „heiß“ diskutierten Impfstoffes geordert. Das aktuell aufgetretene Virus hat sich im Schwein, einem klassischen Mischgefäß zur Virenbildung aus verschiedenen Influenzaviren entwickelt. Neu ist die Tatsache, dass dieses Virus einerseits den Menschen infizieren kann und andererseits von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. 

Wie erkennt man die Neue Influenza?

Die Symptome der Neuen Grippe A/H1N1 ähneln den Symptomen der jährlichen Grippe im Winter (saisonale humane Influenza): Fieber, Husten, Kopf- und Gliederschmerzen, Müdigkeit, Appetitlosigkeit. Einige Menschen, die mit dem Erreger der Neuen Grippe A/H1N1 infiziert waren, berichteten auch über Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. 

Wie steckt man sich an?

Die Übertragung erfolgt durch Tröpfchen, das heißt beim sprechen, niesen und husten gelangen die Viren vom Infizierten auf die Schleimhäute der Kontaktperson. Wissenschaftliche Studien zeigen jedoch auch, dass eine Übertragung über kontaminierte Oberflächen und nachfolgendem Kontakt zu den Schleimhäuten möglich ist. Dabei gelangen die Viren über die Hand in Mund, Nase oder Augen. Der Anteil der Übertragungen auf diesem Wege ist aber nicht bekannt. 

Wie lange dauert es, bis Symptome auftreten?

Die Zeit zwischen Ansteckung und Ausbruch der Erkrankung ("Inkubationszeit") ist mit ca. 1 bis 4 Tage anzu-setzen. Bei der neuen Influenza wird angenommen, dass manche Patienten ebenfalls bereits am Tag vor Symptombeginn Viren ausscheiden, bei der Dauer der Ausscheidung wird von ca. einer Woche ausgegangen. 

Was sollte man tun, wenn man befürchtet, an der Neuen Grippe erkrankt zu sein?

Bei einem Verdacht auf Neue Grippe sollte eine Ärztin oder ein Arzt angesprochen werden, insbesondere wenn man sich in betroffenen Gebieten aufgehalten oder Kontakt mit möglicherweise infizierten Personen gehabt hat. Arzt oder Ärztin sollten telefonisch auf den Verdacht hingewiesen werden, unter anderem um zu verhindern, dass man beim Warten im Wartezimmer andere Personen ansteckt. Auf dem Weg zur Praxis sollte enger Kontakt zu anderen Menschen vermieden werden. Grundsätzlich sollten beim Husten oder Niesen Mund beziehungsweise Nase bedeckt sein, empfohlen wird in den Ärmel zu husten oder zu niesen. Es sollten Einmaltaschentücher verwendet werden. Die oftmals zu sehenden „OP Masken“ dienen lediglich dem Schutz nicht infizierter Personen vor dem hustenden Erkrankten, ein sicherer Schutz ist nur durch höherwertige Atemschutzmasken (FFP2&3) zu erwarten. 

Wer wird geimpft?

In Deutschland wird Impfstoff für die Hälfte der Bevölkerung zu erwarten sein, welcher nach bestimmten Kriterien (RKI) verimpft wird. Dazu zählt vor allem das medizinische Personal, aufgrund des vermehrten Kontakts zu Grippe-Infizierten und zu Menschen mit Vorerkrankungen. Bei einer Pandemie muss neben der medizinischen Versorgung auch die öffentliche Sicherheit aufrecht erhalten werden. Daher sind auch für Mitarbeiter der Feuerwehr, der Polizei sowie der Justizvollzugsanstalten Impfstoffdosen vorgesehen. Schwangere gelten ebenso wie Chronisch Erkrankte (z.B. Asthmatiker, Diabetiker etc.) zu den Zielgruppen. Mittlerweile impfen jedoch auch die Gesundheitsämter gesunde Personen die den Wunsch nach Impfung äußern. Arbeitgeber in Deutschland bevorraten teilweise auch Impfstoffe. Nachfragen beim Betriebsarzt geben Klärung. 

Therapie/Vorsorge

Als ultimativer Punkt in Bezug auf Prävention wird von allen Fachgesellschaften erhöhte persönliche Hygiene (s.u.) empfohlen. Es gibt die Möglichkeit einer Therapie im Frühstadium der Erkrankung mittels Medikamen-ten (Tamiflu,Relenza). Diese Medikamente werden seitens der Betriebsärztlichen Dienste bei manchen Arbeitgebern vorgehalten. Sprechen Sie auch hier mit Ihrem Betriebsarzt; es sollte hier eine individuelle Beratung in Bezug auf Einnahme, Indikation/Symptomatik, Nebenwirkung etc. erfolgen. Dies ist gerade für fliegendes Personal von hohem Interesse welches sich auf langen Auslandsumläufen in medizinisch schlecht versorgten Gebieten befindet oder aber auch im Ausland stationierten Mitarbeitern (z.B. Executive Flieger/GA). Auch unter dem fliegenden Personal muss davon ausgegangen werden, dass das Kabinenpersonal durch engeren Körperkontakt mit einer hohen Anzahl von Reisenden im Vergleich zum Cockpit ein höheres Risiko zur Infektion hat (Hygieneempfehlungen s.u.). 

Allgemeine Hygieneregeln

  • das Vermeiden von Händegeben, Anhusten, Anniesen, 
  • das Vermeiden von Berührungen der Augen, Nase oder Mund, 
  • die Nutzung und sichere Entsorgung von Einmaltaschentüchern, 
  • Empfehlungen zu einer intensiven Raumbelüftung, 
  • das gründliche Händewaschen nach Personenkontakten, der Benutzung von Sanitäreinrichtungen und vor der Nahrungsaufnahme sowie bei Kontakt mit Gegenständen oder Materialien, die mit Atemwegssekreten von Erkrankten kontaminiert sein können
  • die Empfehlung für fieberhaft Erkrankte, im eigenen Interesse zu Hause zu bleiben, um weitere An-steckungen zu verhindern, 
  • die Vermeidung von direkten Kontakten zu möglicherweise erkrankten Personen.

 
Mit den besten Wünschen für Ihre Gesundheit
 
Ihre VC-Arbeitsgruppe Flugmedizin (AG MED), agmed@vcockpit.de  

Quellen:

  • WHO
  • RKI
  • CDC
  • Deutsches Ärzteblatt