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Vivianne, viele träumen vom Fliegen. Bei dir klingt der Weg ins Cockpit eher nüchtern.
Das war er auch. Ich habe mir während des Abiturs einfach überlegt, was ich machen möchte, und bin über einen Zeitungsartikel auf einen dualen Studiengang in Bremen gestoßen: Bachelor of Engineering plus Pilotenausbildung. Das Jobprofil hat mich überzeugt, das Studium war für mich eine Absicherung. Dann hat das Auswahlverfahren bei der Airline geklappt – damals noch mit einem tragbaren Finanzierungsmodell. Alles andere wäre mir zu riskant gewesen.
Gab es Vorbilder, die dich inspiriert haben?
Nicht wirklich. Mir war wichtig, unabhängig zu sein und einen verantwortungsvollen, anspruchsvollen Beruf zu haben, der finanzielle Eigenständigkeit ermöglicht.
Hat es in deiner Karriere eine Rolle gespielt, dass du eine Frau bist?
Der ein oder andere dumme Spruch bleibt nicht aus. „Du fliegst wie ein Mann“ oder ähnliche Absurditäten. Bei mir hielt sich das in Grenzen, aber viele Kolleginnen haben deutlich andere Erfahrungen gemacht. Als Frau im Cockpit wird man oft als etwas Besonderes wahrgenommen, obwohl man einfach nur seinen Job macht. Was mich stört: Wenn Fehler unbedingt am Geschlecht festgemacht werden. Das sagt mehr über die Erzähler als über die Kolleginnen.
Warum sollten sich junge Frauen für den Beruf entscheiden?
Das ist keine Frage des Geschlechts. Es ist ein faszinierender und vielseitiger Beruf. Wer Pilotin oder Pilot werden will, sollte die Risiken kennen: Gesundheit, Schlafrhythmus, hohe Ausbildungskosten, unsichere Anstellungen. Wenn man das realistisch einschätzt und abfedern kann, sollte man es versuchen. In senioritätsbasierten Systemen ist das Diskriminierungsrisiko für Frauen sogar geringer als in vielen anderen Berufen.
Und warum engagierst du dich in der Vereinigung Cockpit?
Weil ich meine Klappe nicht halten kann. Ich setze mich gern für Dinge ein, von denen ich überzeugt bin. Angefangen habe ich als Vertreterin der Flugschüler, dann ging es in die Flight-Safety-Arbeit und später in den Vorstand. Die VC ist ein starkes Bollwerk für Sicherheit und faire Arbeitsbedingungen. Wenn ich etwas verbessern will, warte ich nicht darauf, dass es andere tun.
