FAQ zum Tarifvertrag Corona-Krise bei Lufthansa

1. Wie sieht das aktuelle Angebot aus?

Das am 15.12.2020 von der Vereinigung Cockpit (VC) offerierte sechste Angebot sieht zusätzlich zu Kurzarbeitergeld, Vergütungskürzungen und Reduzierungen der betrieblichen Altersvorsorge einen zweckgebundenen Finanzierungstopf vor, in den die Piloten freiwillig einzahlen oder Beiträge in Form von Teilzeit einbringen. Die VC garantiert hierbei einen Mindestbetrag, der, sollte es nicht genug freiwillige Beiträge geben, durch kollektive Maßnahmen erbracht wird.

Die von den Piloten erbrachten Beiträge werden in gleicher Höhe durch den Arbeitgeber ergänzt und zur Finanzierung von sozialverträglichen Maßnahmen mit dem Ziel des Personalabbaus verwendet. De facto finanzieren die Piloten somit bereits den Verlust von Arbeitsplätzen, um hoffentlich andere Arbeitsplätze zu retten.

Die VC bietet somit finanzielle Erleichterungen für das Unternehmen in Höhe von 450 Mio. Euro über die Laufzeit von 18 Monaten bei gleichzeitigem Kündigungsschutz bis zum 30.06.2022.


2. Was sind die "Knackpunkte" in den Verhandlungen?

Die strittigen Punkte sind primär die Laufzeit des Kündigungsschutzes sowie die Höhe und Laufzeit der Ersparnisse. Lufthansa hat uns bisher nicht erläutert, wie sich die konkrete Anzahl der überzähligen Piloten aus einem validen Business Plan herleiten lässt. Jegliche Prognosen für eine Zeit nach der Krise sind mit hohen Unsicherheiten belastet, wie auch das Management der Lufthansa einräumt. Einerseits ist zwar ein eventueller Rückgang des Gesamtvolumens nicht auszuschließen, andererseits ergeben sich aber auch aus der deutlichen Reduktion aller Airlines bis hin zum Ausscheiden aus dem Markt neue Chancen. Die Piloten möchten gerne die Flexibilität erhalten auf diese neuen Marktchancen reagieren zu können, um Marktanteile zu gewinnen und die Profitabilität zu sichern. Gleichzeitig sehen wir größere Chancen für eine Rückzahlung der Staatshilfen, je mehr Marktanteile Lufthansa mit der Kernmarke besetzen kann. Eine vorschnelle Schrumpfung des Personalkörpers nimmt dem Unternehmen die Möglichkeit sich ergebende Marktchancen nutzen zu können.


3. Warum behauptet Lufthansa, dass die VC nicht genug bietet?

Lufthansa als Unternehmen hat die unternehmerische Entscheidungsfreiheit und trägt somit grundsätzlich auch das unternehmerische Risiko. Zugleich sind wir jedoch im Rahmen gelebter Sozialpartnerschaft bereit, die Lasten der Krise gemeinsam mit dem Unternehmen zu meistern. Dabei muss die VC sicherstellen, dass die Höhe des Reallohnverlustes die Kolleginnen und Kollegen nicht überfordert. Die Vorschläge der VC sehen bereits jetzt vor, dass Piloten bis zu 50% weniger verdienen als vor der Krise.


4. Lufthansa behauptet, dass es sich nicht um echte Zugeständnisse handeln würde. Was sagt die VC dazu?

Die von uns veröffentlichten Zahlen basieren auf den mit Lufthansa gemeinsam durchgeführten Berechnungen. So beinhaltet das Angebot vom 11.11.2020 für die Jahre ab 2021 eine Einsparsumme von 450 Mio. Euro, neben den 155 Mio. Euro, von denen Lufthansa im Jahr 2020 profitieren konnte. Ohne Abschluss stehen Lufthansa diese Mittel nicht zur Verfügung. In den oben genannten 450 Mio. Euro sowie den 155 Mio. Euro sind die variablen Bestandteile nicht enthalten.

In den Vergütungsstrukturen der Piloten sind variable Bestandteile enthalten, die regelmäßig anfallen, um einen automatischen Krisenbeitrag bei konjunkturellen Dellen nicht erst vereinbaren zu müssen. Die regelmäßige Planung in normalen Zeiten sieht auch die regelmäßige Zahlung dieser Bestandteile vor. In den aktuellen Verhandlungen weigert sich jedoch das Management der Lufthansa diesen automatischen Krisenbeitrag anzuerkennen. Fakt ist, dass die Zahlungen angerechnet werden müssten, weil sie auch im regelmäßigen Betrieb anfallen.