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Lufthansa-Einstieg bei TAP: Spitzenpreis in Portugal – Spardruck zu Hause


Vereinigung Cockpit kündigt engere Zusammenarbeit mit europäischen Pilotenverbänden an 

Die Lufthansa hat sich im Bieterverfahren um die portugiesische Fluggesellschaft TAP einen Anteil von 44,9 Prozent gesichert. Aus Sicht der Vereinigung Cockpit (VC) ist das Ergebnis vor allem für die portugiesische Regierung ein großer Erfolg: Sie erzielt einen außergewöhnlich hohen Preis für einen Minderheitsanteil und behält zugleich die Mehrheit am Unternehmen. Für die Pilotinnen und Piloten im Lufthansa-Konzern wirft die geplante Beteiligung dagegen grundsätzliche Fragen auf – insbesondere mit Blick auf die finanziellen Prioritäten des Managements und den Umgang mit den eigenen Beschäftigten. 

Für den Anteil von 44,9 Prozent zahlt Lufthansa rund 21 Prozent mehr als der nächstplatzierte Bieter. Der erzielte Preis liegt zudem rund 46 Prozent über der ursprünglich erwarteten Bewertung von etwa 700 Millionen Euro. Die portugiesische Regierung behält zunächst die Mehrheit an TAP, während Lufthansa bereits eine Perspektive auf eine spätere vollständige Übernahme verfolgt. 

„Bemerkenswert ist dabei, dass die International Airlines Group (IAG), die profitabelste der drei großen europäischen Netzwerk-Airline-Gruppen, ihre Teilnahme an dem Bieterverfahren zurückgezogen hat“, sagt Oliver Löwe, Vizepräsident der Vereinigung Cockpit. „Ausschlaggebend war offenbar, dass ein Minderheitsanteil ohne garantierten Weg zur vollständigen Kontrolle für IAG wirtschaftlich nicht attraktiv genug war.“ 

Aus Sicht der Vereinigung Cockpit offenbart die Entscheidung einen erheblichen Widerspruch in der Unternehmenspolitik der Lufthansa. Während das Management gegenüber den eigenen Beschäftigten seit Monaten auf Profitabilitätsprobleme verweist und damit weitreichende Einschnitte begründet, demonstriert es bei internationalen Übernahmen erhebliche Finanzkraft und die Bereitschaft, einen Spitzenpreis zu zahlen. 

„Wer in Lissabon mit finanzieller Stärke überzeugt und bereit ist, einen erheblichen Aufpreis für eine Minderheitsbeteiligung zu zahlen, kann gegenüber den eigenen Beschäftigten nicht gleichzeitig so tun, als seien harte Einschnitte alternativlos. Das Management muss erklären, weshalb bei Zukäufen offenbar andere wirtschaftliche Maßstäbe gelten als bei den Menschen, die tagtäglich den Erfolg des Konzerns sichern“, erklärt Oliver Löwe von der Vereinigung Cockpit. 

Der portugiesische Pilotenverband SPAC, mit dem die Vereinigung Cockpit seit vielen Jahren eng zusammenarbeitet, hatte bereits vor einigen Monaten ihre Erwartungen an den Privatisierungsprozess formuliert. Dabei haben sie insbesondere auf die Entwicklungen in der Sozialpartnerschaft zwischen dem Lufthansa-Management und den Pilotinnen und Piloten in Deutschland hingewiesen und ihre Sorge darüber zum Ausdruck gebracht.  

„Unsere portugiesischen Kolleginnen und Kollegen verfolgen sehr genau, wie Lufthansa mit ihren Pilotinnen und Piloten umgeht. Vertrauen lässt sich nicht durch Ankündigungen kaufen. Es entsteht durch Respekt, Verlässlichkeit und die Einhaltung von Vereinbarungen. Genau daran wird sich Lufthansa auch bei TAP messen lassen müssen“, sagt Oliver Löwe.  

Die Vereinigung Cockpit wird die langjährige und bewährte Zusammenarbeit mit der portugiesischen SPAC weiter intensivieren.  Darüber hinaus wird die VC die Zusammenarbeit mit den Pilotenverbänden der europäischen Lufthansa-Group-Airlines insgesamt vertiefen. Denn der wirtschaftliche und tarifpolitische Druck auf die Pilotinnen und Piloten ist längst kein ausschließlich deutsches Thema mehr. Auch in anderen Flugbetrieben des Konzerns wächst der Druck auf Arbeitsbedingungen, tarifvertragliche Standards und die Interessenvertretungen der Beschäftigten. 

„Lufthansa soll immer stärker zu einem europäischen Airline-Konzern zusammenwachsen. Deshalb werden auch die Pilotinnen und Piloten über Länder- und Gesellschaftsgrenzen hinweg enger zusammenarbeiten. Unser gemeinsames Ziel ist eine verlässliche Sozialpartnerschaft, die diesen Namen im gesamten Konzern verdient. Wir erwarten, dass Lufthansa ihre wirtschaftliche Expansionsstrategie mit einer ebenso glaubwürdigen und nachhaltigen Sozialpartnerschaft verbindet.“, betont Löwe abschließend.