Lufthansa-Vorstand wirkt konzeptlos und überfordert

Mit großem Unverständnis nimmt die Vereinigung Cockpit die Ankündigung des Lufthansa-Konzernvorstandes zur Kenntnis, das mit dem Management der Germanwings über Tage ausgehandelte Ergebnis zur Kurzarbeit nicht zu akzeptieren. In tagelangen Sitzungen hatten sich jüngst die Vereinigung Cockpit und die Geschäftsleitung der Germanwings, unter Berücksichtigung der firmenspezifischen Konditionen, auf einen Tarifvertrag zur Kurzarbeit geeinigt. Die Argumentation, die wirtschaftliche Situation der Germanwings gebe das Ergebnis nicht her, ist unglaubwürdig, insbesondere da es sich bei Germanwings um eine hundertprozentige Tochter des Lufthansa-Konzerns handelt. Weder die Mutter noch die Tochter erwirtschaften derzeit nennenswerte Umsätze.
Vor dem Hintergrund, dass aktuell noch ausreichend Liquidität vorhanden ist und zudem der Staat deutlich signalisiert hat, durch die Corona-Krise in Bedrängnis geratene Unternehmen zu stützen, um die Arbeitsplätze zu erhalten, ist es nicht nachvollziehbar, wieso man bereits jetzt Teile des Unternehmens in Frage stellt.

Markus Wahl, Präsident der Vereinigung Cockpit: „Wir halten es für eine unverantwortliche Schädigung des Unternehmens, in der derzeitigen Lage eine Kostensenkung von knapp 50% der Lohnkosten der Piloten an Kurzarbeitsgeldern auszuschlagen. Weder ist absehbar, wie lange die Krise anhalten wird, noch wie es dann weitergehen kann. Der Eindruck drängt sich auf, dass der Konzernvorstand versucht, die „Gunst der Stunde“ zu nutzen, um strukturelle Veränderungen des Konzerns durchzudrücken. Bereits vor der Krise gab es Gespräche über einen Weiterbetrieb der Germanwings, die aber nicht primär durch eine unzureichende Wirtschaftlichkeit, sondern durch die vom Vorstand gewünschte veränderte Aufstellung des Konzerns getrieben waren. Es geht um deutlich über tausend Menschen und deren Familien, die nun zutiefst verunsichert sind. Das ist unverantwortlich, insbesondere da der Konzernvorstand augenscheinlich keinen Plan hat, wie es weitergehen soll. Jetzt ist es an der Zeit, Arbeitsplätze zu sichern und nicht den Konzernumbau zu forcieren. Zum Wohle des Konzerns und der Mitarbeiter fordern wir den Konzernvorstand auf, den Tarifvertrag Kurzarbeit bei Germanwings zu unterschreiben.“



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