+ 49 69 34 87 29 32
Mehr Infos
Das Thema schien die Art der Diskussion zu bestimmen: Mehrere Anläufe und Meetings waren nötig und nach jeder Runde gab es gleichsam einen Go Around.
Neue Argumente von alten Leuten, alte Argumente von neuen Leuten.
Schließlich wurde doch noch ein Konsens gefunden – auch wenn es sich aus Sicht der VC-Arbeitsgruppe „Air Traffic Services“ (AG ATS) um eine Minimallösung handelt.
Kurzer Rückblick: Schon seit einiger Zeit beschäftigen sich VC und die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) mit der Frage, welcher Missed Approach nach einem Swing-over zu fliegen ist. Jeder, der Frankfurt kennt, weiß, dass es verschiedene Herangehensweisen gibt. Dies zeigte sich auch in einer kleinen Befragung der Leser der VC-Info im vergangenen Jahr. Was fehlt, ist ein veröffentlichtes Verfahren oder noch besser ein international harmonisiertes Procedure. Relativ schnell wurde klar, dass Ähnliches für den Visual Approach gilt, zu dem bisher per definitionem kein Missed Approach gehört. Schnell wurden Vergleiche mit dem Circling gesucht, die sich aber als falsche Fährte erwiesen, da hier andere Voraussetzungen gelten, etwa dass es immer ein eindeutig dazugehörendes IFR-Procedure gibt.
Um eine weltweit umsetzbare Lösung zu finden, brachten die beiden deutschen Verbände das Thema auf die Agenden der jeweiligen Dachverbände: IFATCA TOC (International Federation of Air Traffic Controllers Associations Technical and Operations Committee) und IFALPA ATS (International Federation of Air Traffic Pilots Associations Air Traffic Services) Committee.
Vergangenen Herbst gab es ein gemeinsames Treffen in Las Vegas. Dort konnten die internen Diskussionen zusammengeführt werden. Es zeigte sich, dass auch wenn der Wille stark ist, eine global harmonisierte Lösung schwer zu finden ist. Zum einen liegt das daran, dass es starke regionale Unterschiede gibt. So sind Visual Approaches an High Density Airports in Nordamerika nichts Ungewöhnliches, in Europa dagegen schon. Zum anderen reden Fluglotsen und Piloten zwar oft von dem Selben, haben aber doch sehr unterschiedliche Blickwinkel. So gern etwa im Cockpit langfristig geplant wird, so schwierig ist es für die Controller, das Gesamtbild in dynamischen Situationen zu betrachten und beispielsweise eine Missed Approach Clearance im Voraus zu geben.
Von der VC wurden verschiedene Zwischenlösungen vorgeschlagen. So könnte ein Visual Approach in einem Visual Circuit enden, falls die Landung nicht möglich ist. Von der GdF kam die Anregung, auf die Bezeichnung „Swing over“ ganz zu verzichten und nur von „Visuals“ zu sprechen. Einig sind sich alle, dass sich im Idealfall Pilot und Lotse absprechen, was zu tun ist, und zwar möglichst frühzeitig.
Das IFALPA ATS Committee wird nun der IFALPA Annual Conference folgende Policy vorschlagen: Zu jedem möglichen Visual Approach (charted wie uncharted) soll ein Fehlanflugverfahren veröffentlicht werden. Auch das IFATCA TOC wird auf der IFATCA Annual Conference ein Arbeitspapier zum Thema einreichen, allerdings ist dessen Inhalt noch nicht endgültig festgelegt.
Damit sind die ANSPs (Air Navigation Service Provider) am Zug. Entweder wird für jeden einzelnen Visual Approach ein Missed Approach veröffentlicht, wie es bereits an einigen Plätzen (z.B. KSFO) der Fall ist. Oder es gibt ein generelles Verfahren, wie etwa in der AIP Australiens festgelegt.
Die VC hätte sich gewünscht, dass auch für die Interimszeit bis zur flächendeckenden Umsetzung Klarheit durch ein einfaches Procedure geschaffen wird. Dies konnte jedoch aufgrund der Komplexität des Themas nicht erreicht werden. Die VC empfiehlt daher, möglichst proaktiv mit dem Thema umzugehen. Konkret heißt das, frühzeitig auch den Missed Approach planen und briefen und gegebenenfalls nachfragen. Eine Möglichkeit ist auch, solche Verfahren solange abzulehnen, bis die ANSPs etwas veröffentlicht haben. Letztlich sollte sich auch jeder darüber bewusst sein, worum es bei Swing und Visual häufig geht: die Erhöhung von Kapazitäten in ohnehin schon stark ausgelasteten Systemen.
Wie geht es weiter? Im Frühjahr wird der Policy-Vorschlag zur Abstimmung gestellt und bei positivem Ausgang ins IFALPA PANS-ATM aufgenommen. Für Frankfurt soll eine lokale Lösung veröffentlicht werden: „Swing over“ wird nicht mehr verwendet und bei einer Visual Approach Clearance mit Pistenwechsel muss ein Fehlanflugverfahren übermittelt werden. Wir halten Sie auf dem Laufenden.