Im November einigten sich GFD-Tarifkommission und Arbeitgeber auf einen ersten Vergütungstarifvertrag. /@ Vereinigung Cockpit e.V.

Tarif

„Ohne die Gewerkschaft hätten wir nie diesen Hebel gehabt.“

Der erfolgreiche Weg der GFD-Piloten zum Tarifvertrag

Die Gesellschaft für Flugzieldarstellung (GFD) mit Sitz auf dem Fliegerhorst Hohn ist ein besonderer Arbeitgeber. Rund 50  und Piloten fliegen hier Learjets, die die Luftwaffe der Bundeswehr im Training unterstützen – etwa durch das Schleppen von Zielen, elektronische Störflüge oder die Simulation von Luftkampfmanövern. Ihr Einsatzprofil unterscheidet sich deutlich vom klassischen Linienflug, viele von ihnen sind selbst ehemalige Bundeswehrpiloten.

Ein typischer Alltag? „Den gibt es bei uns nicht“, sagt Dirk Tegge, Sprecher der Tarifkommission (TK). Die Bundeswehr meldet ihre Übungswünsche, daraus entstehen die Flugpläne. „Feste Arbeitszeiten gibt es nicht. Wir stehen mehr oder weniger auf Abruf bereit, der Plan kommt donnerstags – und bestimmt unsere nächste Woche.“

Warum eine Tarifkommission?

Die GFD ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen, die Strukturen haben damit aber nicht Schritt gehalten. „Lange Zeit war das Verhältnis ein Geben und Nehmen. Doch zuletzt hatten wir das Gefühl, dass von uns immer nur genommen wurde“, beschreibt Dirk die Entwicklung. „In 2018 haben wir eine Petition mit konkreten Verbesserungsvorschlägen gemacht, auf die wir jedoch keine nennenswerte Reaktion erhalten haben. Die Frustration unter den Kollegen nahm immer weiter zu.“

Ein ereignisreiches Jahr

Der Entschluss, sich gewerkschaftlich zu organisieren reifte über Monate. Die Kollegen traten schließlich zeitgleich in die VC ein. Im November 2024 konstituierte sich die Tarifkommission, Anfang 2025 wurden Forderungen an die Geschäftsführung geschickt. Die Reaktion war zunächst eine Absage, GFD wollte die Themen lieber „innerbetrieblich“ regeln.

Damit gaben sich die Piloten nicht zufrieden. Im Sommer 2025 kam es zum ersten Warnstreik, wenig später stimmten 100 Prozent der Mitglieder in einer Urabstimmung für weiter Arbeitskampfmaßnahmen. Dieses klare Votum zeigte Wirkung: die Geschäftsführung bot erstmals Gespräche an. „Jetzt saß der Arbeitgeber endlich mit uns am Tisch. Ohne die Gewerkschaft hätten wir nie diesen Hebel gehabt.“

Dass sie einen langen Atmen brauchen werden, ist Dirk und seinen TK-Kollegen bewusst gewesen. Die Gespräche mit dem Arbeitgeber verlaufen sachlich, einfach ist es dennoch nicht immer. Aber bereits im November konnte ein erster Erfolg erzielt werden: Tarifkommission und Arbeitgeber einigten sich auf einen ersten Vergütungstarifvertrag. 

Spagat zwischen Cockpit und Tarifarbeit

Die Arbeit der Tarifkommission findet in der Freizeit der Mitglieder statt, Freistellungen gibt es bisher noch nicht. Vieles wird über Chatgruppen oder abendliche Videokonferenzen besprochen. Das bedeutete eine zusätzliche Belastung, aber es zeigt auch Wirkung: „Als Gewerkschaftsmitglieder können wir Dinge bewegen, die vorher nicht möglich waren.“

Auch das Verhältnis zur Arbeitgeberseite ist in der GDF ein spezielles: Viele sind - wie die Piloten auch - ehemalige Bundeswehrpiloten. Man kennt sich teils schon seit 20 Jahren und sitzt nun auf verschiedenen Seiten am Verhandlungstisch. „Viele von uns kennen die Geschäftsführer noch aus Bundeswehrzeiten, manche sind früher zusammen geflogen. Heute stehen wir uns in ganz neuen Rollen gegenüber“, beschreibt Dirk die Situation.

Die Rückmeldungen aus den Reihen der Kollegen sind positiv, was die TK motiviert und in ihrer Arbeit bestärkt. Besonders die eindeutige Urabstimmung hatte Signalcharakter. „Die hundertprozentige Zustimmung war für uns ein Schlüsselmoment. Es hat gezeigt, dass die Belegschaft hinter uns steht.“ 

Und nicht nur das: andere Bereiche der Firma schauen mit Interesse auf die Arbeit der Tarifkommission. „Gerade die technische Abteilung verfolgt, was wir erreichen – vielleicht sogar als Inspiration“, so Dirk.

Blick nach vorn

Die Tarifkommission ist sich darüber im Klaren, dass sie erst am Anfang steht. Aber die Motivation ist nach dem ersten Abschluss groß.

Jetzt ist klar: Die GFD-Piloten haben gezeigt, dass sie geschlossen auftreten und weiterhin bereit sind, sich für die Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen einzusetzen.