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Im Mittelpunkt des diesjährigen Flughafenchecks stand erneut die Vermeidung sogenannter Runway Incursions – Situationen, in denen Flugzeuge oder Fahrzeuge unerlaubt auf Start- oder Landebahnen gelangen was schwerste Folgen haben kann.
„Runway Incursions gehören zu den gravierendsten Sicherheitsrisiken im Flugbetrieb. München zeigt mit den dauerhaft aktivierten Stopbars, dass sich wirksame Maßnahmen unmittelbar in der Sicherheit widerspiegeln“, sagt Sven Graßmück, Leiter der Arbeitsgruppe Airport and Ground Environment der Vereinigung Cockpit.
Wie dramatisch die Folgen sein können, haben mehrere schwere Unfälle in jüngerer Vergangenheit gezeigt. Anfang 2024 kollidierte am Flughafen Tokio-Haneda ein Airbus A350 der Japan Airlines nach der Landung mit einem Flugzeug der japanischen Küstenwache, das ohne Freigabe auf die Landebahn gerollt war. Fünf Besatzungsmitglieder der Küstenwache starben. Im März 2026 kam es am New Yorker Flughafen LaGuardia zu einem weiteren schweren Unfall, als ein Regionalflugzeug der Air Canada Express mit einem Feuerwehrfahrzeug zusammenstieß, das die Startbahn überquerte. Beide Piloten kamen ums Leben.
Stopbars – rote, in den Boden eingelassene Lichtsignale – bilden die letzte Sicherheitsbarriere vor einer aktiven Start- oder Landebahn. Nach einem Bulletin der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (EASA) aus dem Jahr 2025 sollen sie unabhängig von Wetter und Sichtverhältnissen dauerhaft genutzt werden.
„Wir begrüßen diese Vorgabe ausdrücklich. Leider verzichten viele Flughäfen aus Kostengründen weiterhin auf den durchgehenden Betrieb“, sagt Graßmück. Dass es auch anders gehe, zeigten die Flughäfen Zürich und Genf, wo Stopbars bereits an allen Aufrollwegen rund um die Uhr genutzt würden.
Auch aus Österreich erhält die VC nach eigenen Angaben positive Rückmeldungen. In Deutschland sieht die VC ebenfalls Fortschritte. Neben München verbessert sich Düsseldorf durch Stopbars an mehreren Kreuzungen um drei Plätze im Ranking. Frankfurt und Leipzig/Halle setzen Stopbars bereits auf mehreren Rollwegen dauerhaft ein, aus Sicht der VC besteht jedoch noch Potenzial für eine flächendeckende Umsetzung.
Ein weiterer Schwerpunkt des Flughafenchecks ist die Zusammenarbeit in den sogenannten Local Runway Safety Teams (LRST), in denen Flughäfen, Flugsicherung und weitere Akteure Sicherheitsmaßnahmen entwickeln. Die VC kritisiert, dass Pilotenverbände vielerorts weiterhin nicht beteiligt werden.
„Unabhängige Pilotenvertreter bringen eine wichtige operative Perspektive ein. Wo sie ausgeschlossen werden, geht wertvolle Expertise verloren“, sagt Graßmück.
Dass die Zusammenarbeit Wirkung zeigen kann, zeige Genf: Durch die Einbindung von AEROPERS/SwissALPA verbessert sich der Flughafen von Platz 26 auf Platz 11. Auch Lübeck legt nach der Einladung der VC zum LRST vier Plätze zu. Rostock-Laage hingegen verliert nach dem Ende der LRST-Zusammenarbeit deutlich an Punkten und bildet das Schlusslicht des Rankings.
Die VC wird die Umsetzung der EASA-Empfehlungen weiter begleiten. Zugleich betont die Vereinigung Cockpit, dass sich die bewerteten Flughäfen insgesamt auf einem hohen Sicherheitsniveau bewegen. Die Unterschiede im Ranking liegen häufig in einzelnen Sicherheitsmaßnahmen und nicht in grundlegenden Defiziten. Alle deutschen Flughäfen erfüllen hohe Sicherheitsstandards. „Mit dem Flughafencheck machen wir Fortschritte sichtbar – und zeigen zugleich, wo Sicherheitsstandards noch hinter dem technisch Möglichen zurückbleiben. Unser Ziel ist nicht, den Eindruck zu erwecken, es gebe unsichere Flughäfen. Vielmehr geht es darum, dort, wo zusätzliche Maßnahmen wie dauerhaft aktivierte Stopbars die Sicherheit weiter erhöhen können, dieses Potenzial konsequent zu nutzen“, sagt Graßmück abschließend.
Das vollständige Rangliste finden Sie hier:
Tabelle: Flughafencheck 2026
Die Einzelbewertungen der Flughäfen finden Sie hier:
Die Arbeitsgruppe Airport and Ground Environment (AGE) der Vereinigung Cockpit unterzieht die deutschen Verkehrsflughäfen bereits seit 1978 einem jährlichen Sicherheitscheck. Seit 1996 werden auch Regionalflughäfen einbezogen, sofern dort nennenswerter Linienverkehr stattfindet. In Zusammenarbeit mit der Schweizer Pilotenvereinigung Aeropers umfasst die Untersuchung seit 2024 auch die Flughäfen in der Schweiz.
Als Grundlage dient ein Kriterienkatalog, der kontinuierlich an veränderte Anforderungen angepasst wird und die aus Pilotensicht sinnvolle und für optimale Sicherheit notwendige Ausrüstung von Flughäfen umfasst. Die Bewertungskriterien orientieren sich an den Vorgaben der UN-Sonderorganisation ICAO, der internationalen Pilotenvereinigung IFALPA, den Vorgaben der European Union Aviation Safety Agency (EASA) und Veröffentlichungen von Eurocontrol.