Julien Hirschauer (l.), Sprecher der Jungen VC, und Oliver Löwe, VC-Vorstand Mitgliederbetreuung / © Vereinigung Cockpit e.V.

Achtung, es geht um eure Zukunft!

Warum junge Pilotinnen und Piloten Tarifarbeit und die VC brauchen

Viele Airlines verfolgen heute eine klare Strategie: Tarifverträge gelten als lästig und sollen am liebsten verschwinden. Für die Unternehmensseite sind sie eine „Einschränkung unternehmerischer Freiheit“. Doch die Realität ist: Wer am meisten darunter leidet, wenn Tarifwerke ausgehöhlt oder abgeschafft werden, ist nicht die Generation, die kurz vor der Rente steht. Es sind die jungen Pilotinnen und Piloten – und sogar die Flugschüler, die erst noch ins Cockpit einsteigen wollen.

„Es ist schlicht und einfach so: Junge Kolleginnen und Kollegen haben das größte Interesse an guten Arbeitsbedingungen, weil sie am längsten im Beruf stehen werden“, erklärt Oliver Löwe, Vorstandsmitglied der Vereinigung Cockpit. „Wer heute einsteigt, hat noch 40 Jahre vor sich. Wenn wir es zulassen, dass Tarifverträge ausgehöhlt oder gekündigt werden, trifft das zuerst die Jüngsten – und zwar hart.“

Junge Pilotinnen und Piloten tragen die Hauptlast, wenn Unternehmen versuchen, Belegschaften zu spalten. „Wir sehen immer wieder, dass Arbeitgeber versuchen, bestehende Rechte für das Bestandspersonal zu sichern – und dafür bei den Neueinsteigern zu sparen“, so Löwe. „Das Ergebnis: Die Älteren behalten ihre Übergangsversorgung oder gute Betriebsrenten, während die Neuen in viel schlechtere Systeme gedrückt werden. Wenn sich junge Leute nicht engagieren, entscheiden am Ende andere über ihre Zukunft.“

Julien Hirschauer, Sprecher der Jungen VC, spricht stellvertretend für viele jüngere Piloten und Flugschüler: „Gerade am Anfang, wenn man aus der Flugschule kommt, hat man anderes im Kopf. Viele von uns haben in erster Linie den Traum vom Fliegen – und genau das wird oft ausgenutzt. Man brennt darauf, endlich im Cockpit zu sitzen. Am Anfang interessiert vielleicht nur das Einstiegsgehalt. Da wirken Themen wie Altersvorsorge weit weg. Aber genau das ist der Punkt: Schon ab dem ersten Arbeitstag baust du deine Zukunft auf. Tarifverträge sichern dir dabei faire Rahmenbedingungen – vom Einstiegsgehalt über Stufensteigerungen bis hin zur Rente.“

Hirschauer betont, wie wichtig die tarifliche Absicherung gerade für Jüngere ist: „In einem tarifierten Betrieb weiß jede und jeder genau: Das ist mein Einstiegsgehalt, das sind meine Perspektiven, und alle werden gleich behandelt. Ohne Tarifvertrag dagegen kann es passieren, dass drei Leute nebeneinander im Cockpit sitzen – und jeder hat völlig unterschiedliche Bedingungen. Das passt nicht zu einem Beruf, der auf Standardisierung und Teamwork beruht.“

Die Alternative zur Tarifbindung heißt: Willkür. Wer verhandlungsstark ist oder einfach Glück hat, bekommt bessere Konditionen. Wer jung ist oder neu im Unternehmen, zahlt drauf. „Und genau das darf nicht passieren“, sagt Löwe. „Tarifarbeit heißt Solidarität – und ohne Solidarität verlieren die Schwächsten als Erste.“

Sowohl Oliver Löwe als auch Julien Hirschauer machen deutlich, dass junge Stimmen auch in der aktiven Tarifarbeit unverzichtbar sind. „Wenn Tarifkommissionen nur von sehr erfahrenen Kolleginnen und Kollegen besetzt sind, dann ist das menschlich verständlich, dass deren Sichtweise dominiert“, erklärt Hirschauer. „Aber für jemanden, der noch 30 oder 40 Jahre im Cockpit arbeiten wird, haben Themen wie Altersvorsorge oder Karriereentwicklung ein ganz anderes Gewicht. Deshalb ist es so wichtig, dass junge Leute nicht nur Mitglied sind, sondern sich auch einbringen – und dass sie durch uns, die Junge VC, eine Stimme haben.“

Auch Oliver Löwe weiß aus Erfahrung: Wer sich nicht engagiert, hat am Ende keine Stimme. „Neue Leute haben es schwer, wenn sie nicht sichtbar werden. Aber genau das braucht es: Dass junge Kolleginnen und Kollegen ihre Ideen einbringen, dass man ihren Namen kennt und dass sie sich Gehör verschaffen. Nur so können wir verhindern, dass über unsere Köpfe hinweg entschieden wird.“

Ob Vergütung, Altersvorsorge oder Kündigungsschutz: In allen Bereichen zeigt sich, dass gerade die junge Generation auf eine starke VC angewiesen ist. Denn Tarifverträge sind kein Geschenk des Arbeitgebers – sie müssen immer wieder neu erkämpft und verteidigt werden.

„Die Annahme, dass es schon irgendwie Mindeststandards geben wird, ist schlicht falsch“, sagt Löwe. „Die Geschichte zeigt: Ohne Gewerkschaften, ohne Tarifarbeit gibt es keine Sicherheit. Und wer am wenigsten Sicherheit hat, sind die, die gerade erst anfangen.“

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Weitere Infos zur Jungen VC findet Ihr unter https://www.vcockpit.de/junge-vc