Flight Safety

Als die Luftfahrt noch nach Antworten suchte, hatte die VC bereits ein Papier

Nur wenige Tage nach den Anschlägen vom 11. September 2001 formulierte die Vereinigung Cockpit konkrete Vorschläge für eine sicherere Luftfahrt. Frank Müller-Nalbach, Joachim Puff und Peter Dehning erarbeiteten gemeinsam das erste Positionspapier der VC zur Luftsicherheit nach 9/11. Nach Erinnerung Müller-Nalbachs war die VC damit die erste Organisation, die in der noch völlig offenen Debatte ein ausgearbeitetes Papier mit konkreten Vorschlägen vorlegte.

In den Tagen nach dem 11. September 2001 herrschte in der Luftfahrt Ausnahmezustand. Die Anschläge hatten innerhalb weniger Stunden Gewissheiten über Bord geworfen, auf denen die Sicherheitskonzepte der zivilen Luftfahrt bis dahin beruht hatten. Politik, Behörden, Airlines und Piloten standen vor derselben Frage: Wie konnte verhindert werden, dass ein Verkehrsflugzeug noch einmal als Waffe eingesetzt wurde?
Antworten und Vorschläge kursierten schnell. Eine aus Sicht der Piloten durchdachte und schriftlich formulierte Position fehlte jedoch.
 

Genau hier setzte die Vereinigung Cockpit an.
Den unmittelbaren Anstoß gab Frank Müller-Nalbach. Er hatte den 11. September selbst aus dem Cockpit erlebt. Als Kapitän eines Lufthansa-Fluges von Berlin nach Washington war er über dem Atlantik unterwegs gewesen, als nach und nach die Nachrichten über die Anschläge eintrafen. Müller-Nalbach entschied, nicht weiter in Richtung USA zu fliegen, sondern nach Europa zurückzukehren.
 

Am folgenden Tag erlebte er, wie bereits unterschiedlichste Vorschläge für neue Sicherheitsmaßnahmen diskutiert wurden. Einige davon erschienen ihm aus Sicht eines erfahrenen Piloten wenig praktikabel. Für Müller-Nalbach war klar: Die Piloten mussten selbst formulieren, welche Konsequenzen sie für sinnvoll hielten.
Am Donnerstag nach den Anschlägen nahm er deshalb Kontakt zu Joachim Puff auf, der damals Chairman des IFALPA Security Committee war, und Peter Dehning, dem damaligen Leiter der AG ADO (Aircraft Design and Operation), auf. Müller-Nalbach war damals Chairman des IFALPA ADO Committee.
Schon am nächsten Morgen trafen sich die drei bei der Vereinigung Cockpit.
Frank Müller-Nalbach, Joachim Puff und Peter Dehning setzten sich zusammen – und erarbeiteten das „Statement der Vereinigung Cockpit zur Luftsicherheit“.
 

Bemerkenswert war vor allem die Geschwindigkeit. Zwischen den Anschlägen in den USA und dem fertigen VC-Papier lagen nur wenige Tage. Während Politik und Luftfahrtbranche noch darum rangen, die neue Bedrohungslage überhaupt einzuordnen, hatten die drei Piloten ihre Vorstellungen bereits zu Papier gebracht.
Noch am selben Tag wurde das Statement nach Berlin gebracht. Der damalige VC-Präsident Thomas von Sturm nahm es zu einer Besprechung mit, an der nach Erinnerung Müller-Nalbachs Vertreter mehrerer Bundesministerien beteiligt waren.
Dort bekam das Papier besonderes Gewicht. Müller-Nalbach erinnert sich, dass es zu diesem Zeitpunkt das erste ausgearbeitete Dokument gewesen sei, das konkrete Vorstellungen darüber enthielt, welche Maßnahmen Piloten für sinnvoll hielten.
 

Und das Papier blieb nicht auf Deutschland beschränkt.
Innerhalb der VC wurden die Überlegungen weiterbearbeitet und ergänzt. Über Joachim Puff und die internationalen Strukturen der Pilotenverbände gelangten die Positionen anschließend zur IFALPA. Bereits im Oktober 2001 wurden sie im Security Committee der IFALPA in Tokio behandelt.
Von dort führte der Weg weiter in Richtung ICAO.
So wurde aus einem Papier, das Frank Müller-Nalbach, Joachim Puff und Peter Dehning wenige Tage nach den Anschlägen bei der Vereinigung Cockpit formuliert hatten, ein Beitrag zur internationalen Diskussion über die Konsequenzen von 9/11 für die Luftsicherheit.
 

Die Geschichte dieses Papiers zeigt damit auch, wie schnell die VC damals handelte: Während nach den Anschlägen vielerorts noch nach Antworten gesucht wurde, hatten drei ihrer Piloten bereits begonnen, sie aufzuschreiben.

Hier können Sie das Positionspapier der VC herunterladen:
Positionspapier “Grundsatzpapier Security 2001”

Und hier das Papier der IFALPA:
9-11-2001 02SEC015, Review of SEC Policies following recent events - TYO