© Skybrary: Emergency Frequency Awareness Poster

Flight Safety

„Das ist kein Kanal für Gags“

Ein Gespräch mit dem Piloten und VC-Experte Moritz Bürger über Humor im Cockpit – und warum er auf der Notfrequenz nichts verloren hat.

Moritz, ein Beitrag von CNN zeigt, dass Piloten auf der Notfallfrequenz miauen oder bellen – als Scherz. Ist dir so etwas schon einmal begegnet?

Leider ja. Das sind keine Einzelfälle, sondern etwas, das man immer wieder hört – nicht nur dieses Miauen oder „Manamana“, sondern auch ganz banale Gespräche: über Fußballergebnisse, über Positionsabsprachen zwischen Crews oder sogar fehlgeleitete Passagieransagen. Das Problem ist weniger der einzelne „Witz“ als die Summe solcher Störungen. Sie machen aus einer Frequenz, die eigentlich für absolute Ausnahmesituationen reserviert ist, einen Lärmkanal.

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Gibt es das auch in Deutschland?

Ja, eindeutig. Das ist kein regionales Phänomen, sondern betrifft den gesamten europäischen Luftraum. Auch in Deutschland kommt es regelmäßig vor, dass die Notfrequenz 121,5 MHz zweckentfremdet wird. Die Konsequenzen sind ernst: Viele Pilotinnen und Piloten drehen die Lautstärke herunter oder schalten die Frequenz ganz ab, weil sie im Alltag schlicht stört. Und genau das ist der kritische Punkt.

Warum?

Weil die Notfrequenz genau dann gebraucht wird, wenn andere Kommunikationswege versagen. Wenn ein Flugzeug über das Primärradio nicht mehr erreichbar ist, versucht die Flugsicherung, Kontakt über 121,5 aufzunehmen. Wenn diese Frequenz aber ignoriert wird, kann das dazu führen, dass ein Flugzeug als „lost comm“ eingestuft wird. Im Extremfall werden dann Abfangjäger gestartet – ein Szenario, das teuer ist und für alle Beteiligten eine enorme Belastung darstellt.

Das klingt nach einem strukturellen Problem.

Ist es auch. Die zuständigen Behörden, etwa das Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung, versuchen, mit Geldstrafen gegenzusteuern. Das ist nachvollziehbar, aber in der Praxis nur begrenzt wirksam. Denn die meisten, die solche Späße machen, erleben die Konsequenzen nicht direkt – und die große Mehrheit bekommt sie gar nicht mit. Effektiver wären Aufklärungskampagnen und konsequentes Training. Da passiert bislang zu wenig.

In sozialen Medien wird diskutiert, ob ein Pilot nicht auch mal Humor zeigen darf. Wie siehst du das?

Humor gehört ins Cockpit, keine Frage. Aber er braucht den richtigen Kontext. Der Funkverkehr – und insbesondere die Notfrequenz – ist kein Ort dafür. Dort geht es um Klarheit, um Konzentration und im Zweifel um Leben und Tod. Ein „Scherz“ kann in genau dem Moment gesendet werden, in dem jemand versucht, einen Notruf abzusetzen oder Hilfe zu koordinieren. Das ist kein Kavaliersdelikt, sondern schlicht inakzeptabel.

Du hast geschildert, dass Piloten die Frequenz teilweise abschalten. Das wirkt wie ein Teufelskreis.

Genau. Je mehr Unsinn auf der Frequenz passiert, desto weniger wird sie ernst genommen – und desto größer wird das Risiko im Ernstfall. Viele kennen die Situation: Die Flugsicherung ruft ein Flugzeug mehrfach, ohne Antwort. Kurz darauf hört man, wie ein militärisches Flugzeug auf 121,5 versucht, Kontakt aufzunehmen – oft aus unmittelbarer Nähe zum betroffenen Jet. Das ist eine Eskalation, die niemand erleben möchte.

Was müsste sich konkret ändern?

Es geht um Haltung. Die Notfrequenz ist kein Nebenkanal, sondern ein sicherheitskritisches Instrument. Das muss wieder ins Bewusstsein. Schulungen, klare Kommunikation durch Airlines und auch ein gewisser sozialer Druck innerhalb der Pilotenschaft können helfen. Am Ende ist es eine Frage der Professionalität: Wer im Cockpit sitzt, trägt Verantwortung – und dazu gehört auch, den Funk so zu nutzen, wie er gedacht ist.

Also kein Platz für Miauen?

Ganz klar: nein.


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