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Gregor Winkler / © Vereinigung Cockpit e.V.
Gregor, am 16. April hat das Lufthansa-Management überraschend die vorübergehende Stilllegung der CityLine verkündet. Wie geht es euch?
Die Kolleginnen und Kollegen sind enttäuscht, aber vor allem richtig wütend darüber, wie man mit ihnen umgeht. Sie sitzen jetzt zu Hause und wissen nicht, wie es für sie weitergeht. Und das nur, weil das Management, scheinbar aus einer Laune heraus von heute auf morgen die CityLine stilllegt.
Dabei wart gerade ihr dafür bekannt, dass die Stimmung und die Verbundenheit mit dem Unternehmen sehr gut sind.
Die CityLine war keine beliebige Airline. Es gab einen besonderen Spirit, ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl. Die Leute haben für diesen Betrieb gebrannt, waren loyal. Und dann wird die Airline kurzfristig stillgelegt– das steckt niemand so leicht weg. Dabei waren die CityLiner über Jahrzehnte eine sehr kooperative Gruppe: kaum Streiks, viel Bereitschaft zur Zusammenarbeit.
Euer Kündigungsschutz gilt noch eine ganze Weile?
Er gilt zwei Jahre, nachdem der letzte CRJ ausgeflottet wurde – so ist es tarifvertraglich geregelt. Wir vertrauen unseren Verträgen. Aber Vertrauen gegenüber dem Vertragspartner entsteht nicht durch Verträge allein. Wenn ein Unternehmen von heute auf morgen beschließt, eine komplette Airline dichtzumachen, fragen sich die Menschen zwangsläufig: Was kommt als Nächstes? Dieser Schritt war ein harter Einschnitt und hat das, was vielleicht noch an Vertrauen gegenüber dem Konzern da war, zerstört.
Was bedeutet das konkret für die Pilotinnen und Piloten?
Ein Wechsel zu einer anderen Airline ist nicht einfach. Gleichzeitig ist klar: Lufthansa braucht uns, der Konzern will wachsen und dafür braucht er uns Cityliner. Entscheidend wird nun sein, wie wir gemeinsam zu tragfähigen Lösungen kommen. Vor allem braucht es Klarheit – und eine Weiterbeschäftigung zu Bedingungen auf gleichem Niveau.
In der Öffentlichkeit fiel die Reaktion auf die Schließung verhalten aus – teilweise gab es sogar Schadenfreude.
Das hat uns ehrlich gesagt schockiert. Hier wird eine Airline geschlossen, hunderte Existenzen sind betroffen – nicht nur im Cockpit, auch in der Kabine. Und dann liest man Sätze wie: „Geschieht euch recht.“ Ja, Streiks sind für Passagiere belastend, aber sich dann zu freuen, wenn der Arbeitgeber von heute auf morgen den Betrieb dichtmacht, geht gar nicht.
Wenn das ein anderes Unternehmen gemacht hätte – beispielsweise Bosch oder Volkswagen, also so mit der Belegschaft umzugehen, dann wäre der öffentliche Aufschrei wahrscheinlich ein ganz anderer gewesen.
Bei Piloten ist es oft so: Weil sie gut verdienen, wird ihnen jede Empathie versagt. Dabei sind für uns die Arbeitsplätze genauso wichtig wie für jemanden, der als Ingenieur bei Bosch arbeitet oder bei VW im Werk steht.
Was wir aber wahrgenommen haben, ist ein klare Haltung innerhalb der Pilotenschaft. Weltweit flugbetriebsübergreifend wird an uns das Unverständnis über die Entscheidung der Konzernspitze herangetragen. Die Einordnung der Kolleginnen und Kollegen entspricht durchweg unser eigenen.
Was nehmt ihr dem Arbeitgeber besonders übel?
Vor allem, dass aus mehreren ernsthaften Gesprächen keine Lösungen generiert wurden. Wir hatten zahlreiche Vorschläge auf dem Tisch, auch Konzepte, wie man die CityLine wirtschaftlich stabilisieren könnte.
Der Plan stand aber längst fest – ein neues Setup mit günstigeren Strukturen.
Noch vor wenigen Jahren, zum 60-jährigen Bestehen der CityLine, sagte Carsten Spohr: „Wir sind stolz, dass Sie, liebe CityLiner, zu unserer großen Lufthansa-Group-Familie gehören, und freuen uns auf eine erfolgreiche gemeinsame Zukunft.“
Rückblickend wirkt das zynisch. Nur wenige Jahre später wurden erste Ideen laut, die CityLine zu schließen. Das schwebte lange über uns – und dann die plötzliche Stilllegung. „Brutal“ – anders kann ich das nicht beschreiben.
Was bleibt von der CityLine?
Ein großer Schaden – wirtschaftlich, aber vor allem menschlich. Und ein Vertrauensverlust, der weit über diesen Betrieb hinausgeht.
Auch die Beschäftigten in anderen Flugbetrieben sollten genau hinschauen, selbst wenn sie aktuell nicht betroffen sind. Es zeigt, wozu der Arbeitgeber bereit ist, um seine Ziele durchzusetzen.
Für uns als Gewerkschaft ist klar: Wir sind jetzt besonders für die CityLiner da. Wir führen Gespräche, entwickeln Modelle, arbeiten an Lösungen. Und wir sehen auch, dass viele Kolleginnen und Kollegen gerade jetzt Vertrauen in uns setzen – die Zahl der Neueintritte ist in den vergangenen Wochen deutlich gestiegen. Das ist ein gutes Zeichen.