© Vereinigung Cockpit

„Ein Passagier wollte nicht von mir geflogen werden, weil ich eine Frau bin.“

Im Gespräch erzählt Pilotin Anja Granvogl von ihrem Weg ins Cockpit, von Begegnungen über den Wolken und davon, warum Fliegen für sie mehr ist als nur ein Beruf.

Erinnerst du dich noch an den Moment, in dem du beschlossen hast, Pilotin zu werden?

Das war weniger eine bewusste Entscheidung als ein glücklicher Zufall. Ein Klassenkamerad hatte mich zu einem Rundflug eingeladen. Ich war sofort begeistert – diese Mischung aus Technik, Verantwortung und Freiheit hat mich nicht mehr losgelassen. Danach konnte ich mir sehr gut vorstellen, das beruflich zu machen.

Gab es Vorbilder, an denen du dich orientiert hast?

Kein einzelnes Vorbild. Aber ich habe bei der Cityline und in anderen Betrieben viele beeindruckende Kolleginnen und Kollegen kennengelernt – im Cockpit wie in der Kabine. Wenn mir ihre Art zu arbeiten, mit Stress umzugehen oder im Team zu führen gefallen hat, habe ich versucht, mir davon etwas mitzunehmen.

Spielte es in deinem Berufsleben eine Rolle, dass du eine Frau bist?

Im Umgang mit Kolleginnen und Kollegen eigentlich kaum. Natürlich gibt es Vorurteile – aber die gibt es überall in der Gesellschaft. Einmal allerdings wollte ein Passagier nicht von mir geflogen werden, weil ich eine Frau bin. Mein Kapitän hat ihm ruhig erklärt, dass das nicht seine Entscheidung ist – und dass er gern aussteigen könne, wenn ihn das verunsichere.

Warum sollte sich eine junge Frau heute für den Beruf der Pilotin entscheiden?

Unabhängig vom Geschlecht würde ich allen raten, sich ein realistisches Bild vom Alltag zu machen. Fliegen ist großartig – aber der Beruf bringt auch Einschränkungen mit sich. Man arbeitet an Feiertagen, ist viel unterwegs, oft nicht zu Hause. Ein stabiles Familien- oder Sozialleben erfordert Organisation und Kompromisse. Wer nur den Traum sieht, aber nicht die Realität, kann später enttäuscht werden.

Du engagierst dich nebenbei in der Vereinigung Cockpit. Warum?

Weil ich es wichtig finde, Einfluss auf unsere Arbeitsbedingungen zu nehmen. Gerade im Bereich Flight Safety kann man viel bewegen. Als Vorständin ist es mir wichtig, dass wir unsere fachliche Perspektive bei neuen Regularien, Technologien und bei der Analyse systemischer Risiken einbringen. Sicherheit entsteht nicht von selbst – sie ist das Ergebnis guter Strukturen und klarer Verantwortung.