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Thomas Rüder, Leiter der AG Helikopter, hat für die Vereinigung Cockpit am EASA Rotocraft Symposium und der Ausstellung European Rotors in Köln teilgenommen. Im Interview spricht er über die aktuellen Themen, die die Branche derzeit bewegen.
Thomas, du warst beim EASA Rotorcraft Symposium und 2025 in Köln dabei. Was waren aus deiner Sicht die zentralen Themen der Veranstaltung?
Thomas Rüder: Im Mittelpunkt standen ganz klar drei Themen: Flugsicherheit, der zunehmende Fachkräftemangel und die Zukunft der Luftmobilität, insbesondere im Bereich Advanced Air Mobility. Alle drei Bereiche betreffen uns Hubschrauberpiloten unmittelbar – sowohl heute als auch in den kommenden Jahren.

Ein besonders wichtige Neuigkeit betrifft die sogenannte „Age-60-Rule“. Was hat die EASA hier angekündigt?
Thomas Rüder: Die EASA hat konkrete Fortschritte bei der Beschäftigung von Piloten über 60 Jahre im gewerblichen HEMS-Betrieb vorgestellt. Statt eines pauschalen Verbots soll künftig ein individuelles Risikomanagement gelten. Das bedeutet: engmaschigere flugmedizinische Untersuchungen und zusätzliche missionsspezifische Simulator-Checks. Ziel ist es, erfahrene Piloten länger und sicher im Betrieb zu halten.
Das klingt zunächst positiv. Gibt es auch Schattenseiten?
Thomas Rüder: Ja, durchaus. Die verschärften medizinischen Anforderungen greifen künftig deutlich früher. Dadurch steigt das Risiko, die Lizenz aus medizinischen Gründen zu verlieren – auch schon vor dem 60. Lebensjahr. Das ist besonders problematisch, weil der mögliche Lizenzverlust über das 60. Lebensjahr hinaus aktuell nicht versicherbar ist. Das kann für betroffene Kollegen durchaus existenzielle Folgen haben.
Gab es auch Neuigkeiten zur Ausbildung und zum Einstieg in die zivile Luftfahrt?
Thomas Rüder: Ja. Die EASA arbeitet an einer flexibleren Anerkennung militärischer Qualifikationen. Ziel ist es, den Übergang von der militärischen in die zivile Fliegerei zu erleichtern. Angesichts des Fachkräftemangels ist das ein sehr wichtiger Schritt.
Ein weiteres großes Thema war die technologische Sicherheit. Welche Schwerpunkte setzt die EASA hier?
Thomas Rüder: Zwei Bereiche stehen besonders im Fokus: die datengestützte Flugsicherheit und die Verbesserung der Flugsicherheit durch Integration von sogenannten Enhanced Vision Systems. Bei der Flugdatennutzung – also FDM und FOQA – möchte die EASA die systematische Auswertung von Flugdaten als zentrales Präventionsinstrument etablieren. Das soll auch für kleinere Betriebe datenschutzkonform möglich sein.
EVS-Systeme sollen künftig stärker in die Standard-Avionik integriert werden. Ziel ist es die Flugsicherheit, gerade bei Einsätzen und Flügen in unbekannten Gebieten oder bei schlechter Sicht deutlich zu erhöhen.
Werfen wir einen Blick in die Zukunft: Welche Rolle spielen Hubschrauberpiloten im Bereich Advanced Air Mobility?
Thomas Rüder: Eine sehr zentrale. Die EASA geht davon aus, dass die ersten Generationen von AAM-Fluggeräten und eVTOLs (elektrische Senkrechtstarter) von hochqualifizierten Piloten betrieben werden. Unsere Erfahrung im Flugpfadmanagement, im Einsatz aus herausfordernden Umgebungen und im Umgang mit komplexen Notverfahren ist aus Sicht der EASA unverzichtbar für eine sichere Einführung.
Die EASA arbeitet hierbei intensiv an speziellen Zulassungs- und Betriebsvorschriften, die sich stark an bestehenden Hubschrauber Regularien orientieren.
Was ist dein Fazit zum Symposium: Welche Richtung schlägt die EASA derzeit ein?
Thomas Rüder: Die EASA verfolgt erkennbar einen pragmatischeren, stärker datengestützten Ansatz. Die Einbindung erfahrener älterer Piloten, die Förderung moderner Sicherheitssysteme und der strukturierte Blick auf AAM sind klare positive Signale. Gleichzeitig bleiben soziale und versicherungsrechtliche Fragen, etwa im Zusammenhang mit der Age-60-Regelung, ungelöst.
