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Ein Advanced Visual Docking Guidance System, kurz A-VDGS. / @ Benjamin Bringewat, Vereinigung Cockpit e.V.
Den Satz „… hold short of your stand, do not turn in” hört man nicht gerne, vor allem nicht auf dem letzten Leg vor dem Feierabend. Verständlicherweise ist man schnell verleitet, den Prozess „ein bisschen zu beschleunigen“ und die Flugzeugnase Richtung Parkposition zu drehen. Dies birgt allerdings Risiken und von Seiten der Flughäfen wird in letzter Zeit immer wieder die Einhaltung der Verfahren beim Einrollen angemahnt. Hintergrund sind wiederkehrende Vorfälle beim Einrollen auf Parkpositionen, insbesondere in Situationen, in denen das System noch nicht richtig hochgefahren ist oder keine Freigabe zum Einrollen vorliegt.
Disziplin beim Einrollen bleibt unverzichtbar.
Grundsätzlich gilt: Ist das A-VDGS noch nicht hochgefahren oder das Einrollen nicht freigegeben, muss das Luftfahrzeug auf der Taxiway-Mittellinie vor der Parkposition halten und darf sich nicht schon einmal leicht in Richtung Position drehen. In diesen Fällen sollte die Vorfeldkontrolle zügig darüber informiert werden, dass ein Einrollen aktuell nicht möglich ist. Je nach Flughafen muss an dieser Stelle Kontakt mit dem Handling-Agenten oder der Vorfeldkontrolle aufgenommen werden, um entweder das System zu aktivieren oder alternativ einen Marshaller bereitzustellen.
Als Begründung für das Halten auf der Rollmittellinie wird der sogenannte Jet-Blast angeführt. Dreht ein Flugzeug bereits vorzeitig in Richtung der Position ein und muss anschließend erneut anrollen, kann der entstehende Abgasstrahl Bodenpersonal gefährden, beispielsweise auf benachbarten Positionen.
Auch wenn es während des Einrollvorgangs zu einem Ausfall des A-VDGS kommt, hat man unverzüglich anzuhalten und die Situation umgehend an die Vorfeldkontrolle zu melden.
Vorfall in London: Kollisionsrisiken beim Einrollen
Weshalb dies so relevant ist und weshalb man nicht ohne ein aktiviertes A-VDGS in eine Position einrollen soll, zeigt ein Vorfall aus London. Dort kollidierte die Flügelspitze einer Boeing 777 mit dem Leitwerk einer einparkenden Boeing 757.
Die Untersuchung ergab, dass das A-VDGS der 757 noch nicht aktiviert war, als diese eintraf. Dennoch rollte das Flugzeug nach Gefühl weiter in die Position ein und hielt ca. 20 Meter vor der finalen Parkposition, um auf die Aktivierung des Systems zu warten. Dies kommunizierten die Piloten allerdings nicht an die Vorfeldkontrolle, sondern kontaktierte lediglich die Bodenabfertigung, um das A-VDGS aktivieren zu lassen.
Was die Piloten nicht wussten, ist, dass das Flugzeug ab einem bestimmten Punkt beim Einrollen – in der Regel ab der roten Boundary-Markierung - nicht mehr auf dem Bodenradar der Vorfeldkontrolle sichtbar ist. Bleibt ein Flugzeug in diesem Bereich stehen, ist für den Lotsen nicht erkennbar, dass sich auf dem dahinterliegenden Rollweg ein potenzielles Kollisionsrisiko aufbaut. Umso wichtiger ist es, Verzögerungen oder Stopps unmittelbar zu melden, damit entsprechende Maßnahmen eingeleitet werden können.
Dieser Vorfall soll trotzdem nicht dazu verleiten bei einem Ausfall des A-VDGS während des Einrollens weiterzurollen und selbstständig zu parken. Auch bei diesen Versuchen gab es bereits kritische Vorfälle. Ebenso ist darauf zu achten, dass im A-VDGS der korrekte Flugzeugtyp angezeigt wird, da falsche Einstellungen zu fehlerhaften Stopppositionen führen können.
Ein unterschätzter Faktor: Die Beleuchtung
Zu guter Letzt noch ein oft unterschätzter Punkt: die Beleuchtung. Während des Einrollens sollten entsprechende Taxi Lights ausgeschaltet werden, um eine Blendung des Bodenpersonals und mögliche Verletzungen an den Augen zu vermeiden. Auch sollte man diese aus demselben Grund nicht nutzen, um die Aufmerksamkeit des Bodenpersonals während der Abfertigung zu bekommen.
Fazit
Das A-VDGS stellt ein wesentliches Element zur sicheren Abfertigung von Luftfahrzeugen dar. Um Gefahrensituationen zu vermeiden ist Disziplin in der Anwendung und der konsequenten Einhaltung der Verfahren notwendig. Klare Kommunikation mit der Vorfeldkontrolle und ein situationsbewusstes Handeln der Besatzungen sind entscheidend, um Risiken zu minimieren und einen sicheren Vorfeldbetrieb zu gewährleisten.