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Die Ergebnisse der US-Studie klingen beunruhigend. Wie bewertest du das?
Die Ergebnisse sind auf jeden Fall bemerkenswert und sollten ernst genommen werden. Dass fliegendes Personal kosmischer Strahlung ausgesetzt ist, ist seit Langem bekannt. Interessant an der neuen Untersuchung sind vor allem der große Datensatz mit fast 13 Millionen Verstorbenen und die auffälligen Ergebnisse bei Piloten und Flugbegleitern.
Was genau hat die Studie festgestellt?
Risikoadjustiert entfielen bei Flugbegleitern rund 6,9 Prozent und bei Piloten rund 6,7 Prozent der Todesfälle auf die von den Autoren als strahlenassoziiert eingestuften Krebsarten. Dabei wurden Unterschiede wie Alter und Geschlecht statistisch berücksichtigt. Damit lagen Flugbegleiter und Piloten unter den 503 untersuchten Berufsgruppen auf Rang eins beziehungsweise zwei. Bei Piloten waren Todesfälle durch Prostatakrebs, Tumoren des zentralen Nervensystems, Melanom und Leukämie im statistischen Vergleich signifikant häufiger; auch Brustkrebs war signifikant erhöht.
Bedeutet das, dass kosmische Strahlung die Ursache dafür ist?
Das lässt sich aus dieser Studie allein nicht ableiten. Sie zeigt statistische Zusammenhänge, aber keinen kausalen Nachweis. Individuelle Strahlendosen der untersuchten Personen wurden nicht erfasst. Trotzdem ist das Signal auffällig genug, um genauer hinzusehen und weitere Untersuchungen anzustoßen.
Wie stark sind Piloten kosmischer Strahlung ausgesetzt?
Das hängt unter anderem von Flughöhe, Flugzeit, geografischer Route und Sonnenaktivität ab. Die US-Studie nennt als Schätzung für Flugbesatzungen eine Größenordnung von etwa drei bis sechs Millisievert pro Jahr; das sind keine individuell gemessenen Dosen der untersuchten Personen. Für Piloten ist entscheidend, dass diese Exposition nicht gelegentlich stattfindet, sondern über viele Berufsjahre hinweg Teil ihres Arbeitsplatzes ist.
Lassen sich die Ergebnisse aus den USA auf deutsche und europäische Piloten übertragen?
Das muss man differenziert betrachten. Die Studie basiert auf US-Sterbedaten und enthält keine individuellen Angaben zu Flugstunden, Routen, Berufsjahren oder kumulativer Strahlendosis. Deshalb wissen wir nicht, welche tatsächliche Exposition hinter den beobachteten Unterschieden steht. Klar ist aber: Kosmische Strahlung ist sowohl in den USA als auch in Europa als berufliche Exposition für Piloten anerkannt, die regulatorischen Rahmenbedingungen unterscheiden sich jedoch deutlich.
Unabhängig davon sorgt derzeit auch ein Gerichtsurteil aus Frankreich für Aufmerksamkeit, das den Brustkrebs einer ehemaligen Flugbegleiterin als Berufskrankheit anerkannt hat.
Richtig. Das Urteil gilt als Novum für die französische Luftfahrtbranche, da Brustkrebs dort nicht auf der offiziellen Liste der Berufskrankheiten steht. Das Gericht berücksichtigte dabei unter anderem Nachtarbeit, ionisierende Strahlung und Passivrauchen. Auch dieses Urteil könnte, ähnlich wie die US-Studie, über Frankreich hinaus Beachtung finden und auch in Deutschland diskutiert werden.
Was folgt daraus für die Vereinigung Cockpit?
Wir werden uns in den kommenden Wochen intensiv mit den Studienergebnissen und auch dem Urteil befassen und prüfen, was sich daraus für deutsche beziehungsweise europäische Pilotinnen und Piloten ableiten lässt. Entscheidend ist für uns, mögliche langfristige Gesundheitsrisiken wissenschaftlich fundiert zu bewerten und daraus gegebenenfalls konkrete Schlussfolgerungen für den Schutz von Pilotinnen und Piloten sowie des Kabinenpersonals abzuleiten.
Studie: Pilots, Flight Attendants Have Greater Risk of Radiation-Related Cancer Death Than Other Professions
https://hms.harvard.edu/news/pilots-flight-attendants-have-greater-risk-radiation-related-cancer-death-other-professions