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Sandra Pagenkemper / © privat
Wenn Sandra Pagenkemper im Cockpit Platz nimmt, blickt sie auf fast zwei Jahrzehnte Erfahrung zurück. Seit 2004 fliegt sie – erst für Air Berlin, später für Thomas Cook/TCN, Air Belgium und heute für Condor. Ihr Weg war geprägt von Insolvenzen, Unsicherheit und Anpassungsfähigkeit – und stets getragen von der unerschütterlichen Begeisterung für die Fliegerei, die sie bereits als 14-Jährige während eines Schüleraustauschs in Südafrika gepackt hat.
„Von diesem Moment an gab es für mich keine Alternative mehr“, sagt sie rückblickend. Der Berufswunsch Pilotin stand fest – und mit viel Einsatz hat sie ihn verwirklicht. Neben ihrer Tätigkeit im Cockpit absolvierte sie sogar ein Studium in BWL mit Schwerpunkt Aviation Management und HR.
Vor Kurzem hat sie das Maintenance Check Flight Zertifikat (MCF) abgeschlossen – eine Zusatzqualifikation, die nur wenige Pilotinnen und Piloten besitzen.
Maintenance Check Flights sind Werkstattflüge, die nach Wartungen oder Modifikationen eines Flugzeugs durchgeführt werden müssen. Systeme werden dabei auf Herz und Nieren geprüft – und zwar unter Bedingungen, die am Boden nicht simulierbar sind. „Wir fliegen Manöver, die im Passagierbetrieb undenkbar wären: steilere Kurven, steilere Steig- oder Sinkflüge. Alles bleibt innerhalb der Limits, aber wir gehen bewusst an die Grenzen des Flugzeugs, um die volle Lufttüchtigkeit zu bestätigen“, erklärt sie.
Für diese Qualifikation durchlief sie eine mehrmonatige Zusatzausbildung mit Theorie, Simulatorstunden und begleiteten Wartungsflügen. Das Besondere: An Bord ist nicht nur das Cockpit-Team, sondern auch ein Techniker. „An Bord sind immer zwei Piloten und jemand aus der Technikabteilung. Man arbeitet dort viel enger zusammen als im regulären Flugbetrieb“, erklärt Pagenkemper. „So bekommt man einen tiefen Einblick in die Systeme, lernt das Flugzeug noch besser kennen und baut weiteres technisches Hintergrundwissen auf – das finde ich besonders spannend.“
Im aktuellen A330-Team von Condor ist Sandra Pagenkemper die einzige Frau mit dieser Zusatzqualifikation. Sie selbst sieht das MCF-Zertifikat nicht nur als persönliche Auszeichnung, sondern auch als Abwechslung vom Alltag. Sandra Pagenkemper genießt die neue Verantwortung und den besonderen Charakter der Aufgabe: „Diese Flüge sind fachlich anspruchsvoll und erfordern höchste Konzentration, aber gerade das macht sie so reizvoll. Man lernt jedes Mal etwas dazu und erlebt den Flieger aus einer neuen Perspektive. Für mich ist das eine großartige Erfahrung – und ein echtes Highlight im Cockpit.“
Wie oft solche Werkstattflüge stattfinden, hängt von vielen Faktoren ab – etwa vom Wartungsrhythmus oder von der Flottenentwicklung. „Ich würde schätzen, es sind etwa fünf bis zehn Flüge im Jahr“, erklärt Pagenkemper. Die Schulung ist abgeschlossen, und Sandra Pagenkemper ist stolz, Teil dieses Teams zu sein. „Jedes Mal, wenn man so einen Checkflug begleitet, ist es ein besonderes Erlebnis – weil man spürt, wie viel Wissen, Teamarbeit und Präzision dahinterstecken.“