Ivo Menke / © Vereinigung Cockpit e.V.

Verband

Nachruf auf Ivo Menke

Mit großer Trauer und tiefem Respekt nimmt die Vereinigung Cockpit Abschied von Ivo Menke. Auch Wochen nach seinem Tod wirkt es für viele Kolleginnen und Kollegen noch unwirklich, dass Ivo Menke nicht mehr da ist. In der Vereinigung Cockpit, bei Discover Airlines und in seinem persönlichen Umfeld fehlt seitdem ein Mensch, der sich mit großer Energie – und zugleich mit ruhiger Überzeugungskraft – für andere eingesetzt hat.

Menke begann seine fliegerische Laufbahn Ende der 1990er-Jahre in der Lufthansa Group. In den folgenden Jahren sammelte er Erfahrung bei mehreren Airlines, darunter Austrian Airlines, Lufthansa Cargo, Turkish Airlines und Norwegian. Der Blick auf unterschiedliche Flugbetriebe prägte ihn. Er schärfte sein Verständnis für Arbeitsbedingungen, Mitbestimmung und Tarifpolitik.

Im Sommer 2021 kehrte Menke zur Lufthansa Group zurück und wechselte zu Discover Airlines. Dort engagierte er sich von Beginn an für den Aufbau von Arbeitnehmervertretung und Tarifstrukturen – keine einfache Aufgabe in einem jungen Flugbetrieb mit vielen befristeten Verträgen und unsicheren Perspektiven.

Gemeinsam mit anderen Engagierten gelang es ihm mit der Vereinigung Cockpit, bei Discover organisatorisch Fuß zu fassen. 2022 wurde er in den ersten Betriebsrat gewählt und engagierte sich zudem in der Tarifkommission der VC für eine Ersttarifierung des Flugbetriebs – ein Prozess, der sich über viele Monate hinzog.

Wer mit ihm zusammenarbeitete, erinnert sich vor allem an seine Art, Menschen zu gewinnen. „Er war sehr höflich, charmant und lebensfroh – und gleichzeitig voller Tatendrang“, sagt Arne Karstens, Sprecher der Group-Tarifkommission. Vor allem aber habe Menke eine außergewöhnliche Bereitschaft gezeigt, Zeit zu investieren. „Ein großer Teil unseres Organisationsgrades ist seinem Engagement und seiner Überzeugungskraft zu verdanken.“

„Sein Optimismus hat uns auch in beruflich schwierigen Zeiten getragen“, erinnert sich VC-Präsident Andreas Pinheiro. Viele Stunden hätten sie gemeinsam in Sitzungen und Telefonkonferenzen verbracht, Ideen entwickelt und diskutiert. „Wir hatten noch so viel vor, mussten noch so viel besprechen, analysieren und gemeinsam gestalten. Das geht nun nicht mehr. Dann denkt man zurück, wie Ivo war: ehrlich, offen, lustig, aber auch konsequent – klar und diplomatisch, je nachdem, was die Situation verlangte. Er fehlt einfach.“

Im Cockpit galt Menke als Kapitän, mit dem viele gern flogen. „Für seine Crews war er immer da“, sagt sein Kollege bei Discover und in der Tarifkommission, Lucas Korte. „Viele sind sehr gerne mit ihm geflogen.“ Sein Engagement ging dabei über tarifpolitische Fragen hinaus. Ihm war wichtig, dass faire Arbeitsbedingungen für alle gelten – unabhängig davon, wann jemand angefangen hat oder in welcher Position er steht.

Auch im persönlichen Umgang beschreiben ihn Kolleginnen und Kollegen als offen und zugewandt. Bei Treffen der Vereinigung Cockpit blieb es selten beim formellen Teil. Gespräche über seine Heimat, über Skifahren oder die Jagd gehörten ebenso dazu wie gemeinsame Abendessen auf Dienstreisen.

Mit seinem Tod verliert Discover Airlines einen engagierten Kollegen und die Vereinigung Cockpit einen wichtigen Mitstreiter. Vor allem aber bleibt die Erinnerung an einen Menschen, der überzeugte, ohne laut zu werden – und der seine Energie in etwas investierte, das ihm wichtig war: bessere Bedingungen für seine Kolleginnen und Kollegen.