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Amelia Earhart ca. 1928 / © UCLA Charles E. Young Research Library Department of Special Collections
Die Vereinigung Cockpit wird im kommenden Jahr ihren Sitz ins Amelia Parkoffice im Quartier „Gateway Gardens“ verlegen - direkt am Herzen des deutschen Luftverkehrsknotens. Der neue Standort steht für moderne Infrastruktur, Vernetzung und Zukunftsfähigkeit. Doch mit dem Namen des Gebäudes verknüpft sich auch eine historische Dimension, die uns als Pilotinnen und Piloten besonders berührt: Amelia Mary Earhart.
Mit dem Bezug des neuen Büros ehren wir eine Frau, die wie kaum eine andere für Mut, Fortschritt und Leidenschaft für die Luftfahrt steht – und deren Name über Jahrzehnte hinweg zum Synonym für fliegerische Pionierleistungen wurde.
Amelia Earhart wurde 1897 in Atchison, Kansas geboren – in einer Zeit, in der Frauen in der Luftfahrt noch als Kuriosität galten. Die Technik faszinierte sie schon früh, doch ihr Weg ins Cockpit war alles andere als vorgezeichnet. Erst im Alter von 23 Jahren unternahm sie ihren ersten Rundflug – ein kurzer Ausflug, der jedoch ihr Leben veränderte. Vom Moment des Abhebens an war für sie klar: Fliegen würde fortan nicht nur eine Faszination, sondern ihre Berufung sein.
Sie nahm Flugunterricht bei Anita „Neta“ Snook, einer weiteren Pionierin der Luftfahrt, und kaufte sich bald darauf ihr erstes eigenes Flugzeug: eine knallgelbe Kinner Airster, die sie liebevoll „The Canary“ nannte. 1923 erhielt sie als eine der ersten Frauen weltweit die offizielle Pilotinnenlizenz der Fédération Aéronautique Internationale – zu einer Zeit, als Fliegen noch ein Abenteuer mit offenem Cockpit und Koppelnavigation war – alles andere als Technikroutine.
Der große Durchbruch kam 1928: Als erste Frau überquerte Earhart den Atlantik, wenn auch zunächst noch als Passagierin an Bord einer Fokker F.VII. Die Schlagzeilen machten sie über Nacht berühmt – und sie nutzte diese Aufmerksamkeit klug. In den folgenden Jahren baute sie ihre fliegerische Karriere konsequent aus, arbeitete als Beraterin für Luftfahrtunternehmen, veröffentlichte Bücher, hielt Vorträge und setzte sich unermüdlich für die Sichtbarkeit von Frauen in der Fliegerei ein.
1932 gelang ihr dann der erste große Soloflug über den Atlantik – von Neufundland bis nach Nordirland. Sie wurde damit nicht nur die erste Frau, sondern nach Charles Lindbergh überhaupt erst die zweite Person, der dieses Wagnis allein gelungen war. Nur wenige Jahre später flog sie als erste Person allein nonstop von Hawaii nach Kalifornien – ein Flug, der als ebenso gefährlich galt wie jener über den Atlantik. Ihr Können, ihr technisches Verständnis und ihre Ruhe in der Luft machten sie zur anerkannten Pilotin auf Augenhöhe mit ihren männlichen Kollegen.
Earhart stellte zahlreiche weitere Rekorde auf: Sie flog als erste Frau nonstop von Los Angeles nach Mexiko-Stadt, durchquerte Nordamerika in Rekordzeit und war bekannt für ihre Fähigkeit, auch unter schwierigen Bedingungen präzise zu navigieren. Ihre Flüge waren nicht nur sportliche Leistungen, sondern auch politische Botschaften: Fliegen sei kein Männerberuf, sagte sie, sondern eine Frage des Könnens – unabhängig vom Geschlecht.
Ihr größter Plan war zugleich ihr letzter: 1937 machte sich Amelia Earhart gemeinsam mit Navigator Fred Noonan auf den Weg, um als erste Menschen die Erde entlang des Äquators zu umfliegen – eine bis dato nie geflogene Route mit enormen navigatorischen Herausforderungen. Nach mehreren Etappen, die sie über Südamerika, Afrika, Indien und den Pazifik führten, verschwand ihr Flugzeug kurz vor dem geplanten Tankstopp auf der winzigen Howland-Insel im Pazifik. Trotz intensiver Suchaktionen blieb das Flugzeug verschollen – und Earhart wurde zur Legende.
Bis heute ist ihr Verschwinden Gegenstand zahlreicher Spekulationen, doch ihr Vermächtnis ist unbestritten: Amelia Earhart wurde zur Symbolfigur für Entdeckergeist, Gleichberechtigung und technische Pionierarbeit. Ihr Mut inspirierte Generationen – und ihre Leistungen haben die Entwicklung der zivilen Luftfahrt auf besondere Weise geprägt.
Doch Amelia Earhart war weit mehr als eine herausragende Pilotin. Sie war eine kluge Beobachterin gesellschaftlicher Umbrüche, eine wortgewandte Autorin und eine unermüdliche Kämpferin für Gleichberechtigung. Mit der Gründung der „Ninety-Nines“, einer internationalen Vereinigung von Pilotinnen, setzte sie ein deutliches Zeichen: Frauen gehören ins Cockpit – nicht als Ausnahme, sondern als selbstverständlicher Teil der Branche.
Das neue Zuhause der Vereinigung Cockpit trägt ihren Namen zu Recht. Denn es steht nicht nur für moderne Arbeitsräume in exzellenter Lage, sondern auch für ein Selbstverständnis, das wir mit Amelia Earhart teilen: den Mut, neue Wege zu gehen, die Leidenschaft fürs Fliegen und das Engagement für eine fortschrittliche, gerechte Luftfahrtwelt. Sie selbst sagte einst: „Die schwierigste Entscheidung ist, zu handeln. Der Rest ist nur Hartnäckigkeit.“