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Die Verweisungsverfahren beim Luftfahrt-Bundesamt sollen fairer, schneller und verlässlicher werden. Das ist das Ergebnis des dritten Round Table Flugmedizin, der vom Bundesverkehrsministerium ins Leben gerufen wurde. Erstmals gibt es konkrete Arbeitsaufträge, Verantwortlichkeiten und einen Zeitplan. Jetzt kommt es darauf an, dass der begonnene Prozess konsequent weitergeführt wird und nicht erneut ins Stocken gerät.
Beim jüngsten Treffen saß Michael Liedtke, Leiter Flight Safety der Vereinigung Cockpit, mit Vertretern des Bundesministeriums, des Luftfahrt-Bundesamts (LBA), Fliegerärzten, Fluggesellschaften sowie weiteren Organisationen wie der Bundeswehr, der AOPA und der GBAA an einem Tisch.
Wir haben mit Michael gesprochen, was sich durch die neuen Verweisungsverfahren konkret ändern soll, wie es nun weitergeht und ob wir vorsichtig optimistisch sein können, dass sich beim LBA endlich etwas bewegt.
Michael, was waren die wichtigsten Ergebnisse des dritten Treffens?
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Verweisungsverfahren schneller, transparenter und einheitlicher werden können. Noch immer gibt es eine große Zahl offener Verfahren. Für die Betroffenen bedeuten lange Bearbeitungszeiten oft erhebliche berufliche und persönliche Unsicherheit. Deshalb hat dieses Thema für die VC höchste Priorität.
Ein wesentlicher Fortschritt ist die Entscheidung, sogenannte Flowcharts zu entwickeln. Dabei handelt es sich um standardisierte Entscheidungswege für häufig auftretende Krankheitsbilder. Ziel ist es, klar definierte Standardfälle künftig in einem beschleunigten Verfahren bearbeiten zu können.
Das Prinzip ist einfach: Liegt eine bestimmte Diagnose vor, folgt das Verfahren einem festgelegten Ablauf bis zu einer nachvollziehbaren Entscheidung. Das reduziert Interpretationsspielräume, schafft Transparenz und beschleunigt die Bearbeitung deutlich. Vergleichbare Verfahren werden in anderen europäischen Ländern bereits erfolgreich eingesetzt.
Das Luftfahrt-Bundesamt wird dafür eine Arbeitsgruppe einrichten, die diese Flowcharts entwickeln soll.
Wer arbeitet in dieser Arbeitsgruppe mit?
Die Idee ist, dass Fliegerärzte und medizinische Sachverständige des Luftfahrt-Bundesamts gemeinsam daran arbeiten. Es wurde auch angeregt, externe Fachärzte einzubeziehen, damit der aktuelle Stand der Wissenschaft einfließt.
Wir versuchen gezielt, Schlüsselpositionen in diesen Arbeitsgruppen zu besetzen, damit die Perspektive der Pilotinnen und Piloten von Anfang an eingebracht wird und nicht erst, wenn Entscheidungen bereits getroffen sind. Das ist unser Anspruch: Wir wollen den Prozess aktiv mitgestalten, nicht nur begleiten.
Das Luftfahrt-Bundesamt soll die Arbeitsgruppe noch vor der Sommerpause organisatorisch auf den Weg bringen und ein erstes Treffen einberufen.
Wie geht es jetzt weiter?
Wir haben die nötigen Schritte für dringend erforderliche Verbesserungen gemacht. Es gibt jetzt einen klaren Plan mit konkreten To-dos, Verantwortlichkeiten und Terminen. Die Arbeitsgruppe zu den Flowcharts soll noch vor der Sommerpause starten, Maßnahmenvorschläge werden gesammelt und ein nächstes Treffen der großen Runde ist bereits für August angesetzt. Das ist eine andere Qualität als früher. Alle Beteiligten ziehen an einem Strang – und alle haben verstanden, dass es hier um etwas Wichtiges geht.
Wie bewertet die VC den aktuellen Stand?
Wir sehen, dass sich etwas bewegt. Das ist eine positive Entwicklung. Gleichzeitig dürfen wir uns nichts vormachen: Die Fortschritte erfolgen noch deutlich langsamer, als es angesichts der bestehenden Probleme erforderlich wäre.
Positiv ist, dass inzwischen alle Beteiligten die Tragweite erkannt haben. Es geht längst nicht mehr um eine reine Verwaltungsfrage, sondern um ein Thema, das unmittelbare Auswirkungen auf die Flugsicherheit und auf die berufliche Zukunft vieler Pilotinnen und Piloten hat.
Ein Vertreter einer Fluggesellschaft hat sehr klar formuliert, dass wir hier kein bürokratisches Randthema diskutieren, sondern ein echtes Flugsicherheitsthema. Diese Aussage hat die Bedeutung des Themas für alle Beteiligten noch einmal sehr deutlich gemacht.
Jetzt müssen den guten Absichten konkrete Ergebnisse folgen. Entscheidend wird sein, dass der begonnene Prozess konsequent weitergeführt wird und nicht erneut ins Stocken gerät.
Was ist die wichtigste Botschaft für unsere Mitglieder?
Das Thema kommt voran. Die Vereinigung Cockpit bringt sich aktiv ein und gestaltet den Prozess mit. Unser Ziel bleibt ein Verweisungsverfahren, das fair, schnell und verlässlich funktioniert. Wer aufgrund einer Erkrankung oder Diagnose ein Verfahren durchlaufen muss, darf nicht monatelang in Unsicherheit bleiben. Gleichzeitig werden wir den weiteren Prozess genau beobachten und darauf achten, dass die vereinbarten Maßnahmen umgesetzt werden und die Arbeiten nicht erneut zum Stillstand kommen.