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Natürliche Strahlung aus dem Weltraum
Im Unterschied zu medizinischen oder industriellen Anwendungen stammt die Strahlung in der Luftfahrt nicht aus künstlichen Quellen, sondern primär aus dem Weltraum. Kosmische Strahlung trifft auf die Atmosphäre und erzeugt sekundäre Teilchenschauer, die in typischen Reiseflughöhen von zehn bis zwölf Kilometern Besatzungen und Passagiere erreichen. Neben ionisierender Strahlung rückt zunehmend auch UV-Strahlung als potenzieller Risikofaktor in den Fokus.
Datenlage und Regulierung
Das französische Institut IRSN weist für europäische Flugbesatzungen im Jahresbericht 2020 eine mittlere Dosis von etwa einem Millisievert aus; in normalen Verkehrszeiten liegen die Werte stabil bei rund zwei Millisievert. Langstreckenbesatzungen können darüber hinausgehen. Zum Vergleich: Beruflich Exponierte in Frankreich liegen im Schnitt bei 0,78 Millisievert. In Deutschland regelt die Strahlenschutzverordnung die Berechnung, Dokumentation und Meldung der individuellen Dosen durch die Strahlenschutzbeauftragten der Airlines. Während ionisierende Strahlung systematisch erfasst wird, wird UV-Belastung bislang kaum als gesundheitsrelevanter Faktor anerkannt, obwohl entsprechende Untersuchungen derzeit laufen.
Herausforderungen bei den Schutzmaßnahmen
Die klassischen vier A des Strahlenschutzes – Abschirmung, Abstand, Aufenthaltszeit und Aktivität – lassen sich in der Fliegerei nur bedingt anwenden. Die Flugzeugstruktur bietet kaum Abschirmung; die Flughöhe beeinflusst unmittelbar die Exposition; kürzere Flugzeiten oder alternative Routen könnten die Dosis reduzieren, werden jedoch in der Praxis selten umgesetzt. Ergänzend gilt das ALARA-Prinzip, das niedrigste vertretbare Dosen fordert. In der Realität dominiert jedoch weiterhin die Optimierung nach Treibstoff, Zeit und Kosten.
Potenziale zur Verbesserung
Eine stärkere Verankerung des Dosismanagements in der Einsatzplanung wäre ein erster Schritt. Rotationsmodelle, dosisbasiertes Dienstzeitmanagement und eine Echtzeitüberwachung bei erhöhter Sonnenaktivität könnten die Sicherheit erhöhen. Ebenso wichtig ist eine umfassendere Aufklärung: Viele Crews kennen ihre tatsächliche Strahlenbelastung nicht. Regelmäßige Unterweisungen und ein klar erkennbares Engagement der Arbeitgeber würden den Stellenwert des Strahlenschutzes stärken.
Strahlenschutz in der Verkehrsfliegerei ist kein theoretisches Fachthema, sondern betrifft täglich Tausende Beschäftigte. Das ALARA-Prinzip sollte nicht nur im Regelwerk stehen, sondern aktiv gelebt werden – nachvollziehbar, praktikabel und im Sinne der gesundheitlichen Vorsorge aller, die ihren Beruf über den Wolken ausüben.
Autor:
Ralph Krebs ist Verkehrspilot und engagiert sich ehrenamtlich für den Pilotenberufsverband Vereinigung Cockpit. Er ist dort stellvertretender Leiter der AG OHM (Occupational Health and Medicine) und dort der Experte für Strahlenschutz.