Die Taskforce Environmental (v.l.n.r.): Peter Müller, Kai Kampelmann, Carsten Banach, Daniel Tandoi und Yannik Hampe / © Vereinigung Cockpit

Kurznachrichten

„Technologie ist da – es fehlt der Wille“

Eindrücke von der Klausur der Taskforce Environment in Jülich und Mönchengladbach

Wie kann die Luftfahrt ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten? Mit dieser Frage beschäftigte sich die Taskforce Environment auf ihrer jüngsten Klausur. Zwei Tage lang blickten die Teilnehmenden hinter die Kulissen von Forschung und Praxis – im Forschungszentrum Jülich ebenso wie am Flughafen Mönchengladbach. Dort wurde deutlich: Technologisch ist schon vieles möglich, doch der Weg in die Umsetzung ist steinig.

Den Auftakt machte der Besuch am Flughafen Mönchengladbach. „Der Flughafen leistet sich tatsächlich einen Innovationsmanager, der sich ausschließlich um Nachhaltigkeit kümmert “, berichtet Peter Müller. Elektrisches Fliegen, alternative Antriebe und eine Tankstelle für nachhaltige Flugkraftstoffe (SAF) zeigen, dass hier ernsthaft an der Zukunft gearbeitet wird.

„Das SAF, das dort angeboten wird, besteht zu 70 Prozent aus konventionellem und zu 30 Prozent aus nachhaltigem Kerosin, hergestellt aus Schlachtabfällen“, erklärt Yannik Hampe. Das klingt nach einem cleveren Recycling, doch Hampe relativiert: „Die Mengen sind begrenzt. Man kann nicht die gesamte Luftfahrt mit Schlachtabfällen versorgen.“ Die Kostenfrage ist ein entscheidender Knackpunkt. „Ein Liter SAF kostet rund fünf Euro – und das, obwohl es nur zu 30 Prozent nachhaltig ist“, so Hampe. Auch synthetische Kraftstoffe aus Wasserstoff, sogenannte E-Fuels, stehen vor ähnlichen Problemen. „Da reden wir sogar über acht Euro pro Liter“, sagt Müller. Paradox sei, dass es bereits Produktionsanlagen gibt, deren Produkte nicht abgenommen werden. „Die Fluggesellschaften erklären, es sei nicht genug Kraftstoff auf dem Markt. In Wahrheit fehlt es an Nachfrage. Die Technik ist nicht das Problem – es fehlt am Willen.“

Am zweiten Tag ging es für die TF Environment nach Jülich. Im Forschungszentrum wird an verschiedensten Zukunftstechnologien gearbeitet – von Batterien bis zur Elektrolyse.

Besonders beeindruckt hat die Teilnehmenden die Hochtemperatur-Elektrolyse. „Diese Anlagen können nicht nur Wasserstoff aus Strom erzeugen, sondern auch umgekehrt wieder Strom aus Wasserstoff gewinnen“, berichtet Hampe. „Sie reagieren extrem schnell, in Mikrosekunden. Damit lassen sich Schwankungen bei Wind- und Solarstrom hervorragend ausgleichen.“ Die Effizienz (Strom->Wasserstoff->Strom) liegt derzeit bei etwa 45 Prozent. Das heißt: Mehr als die Hälfte der Energie geht verloren. Wenn man nur die Erzeugung von Wasserstoff betrachtet – also den für die Herstellung von SAF relevanten Schritt –, liegt die Effizienz deutlich höher, bei rund 70 %. Dennoch ist das Verfahren vielversprechend. „Wenn wir von nahezu kostenlosem Überschussstrom aus Wind und Sonne ausgehen, fällt der Verlust weniger ins Gewicht. Dafür gewinnt man Speichermöglichkeiten – und eine Grundlage für synthetische Kraftstoffe“, erläutert Hampe. Müller ergänzt: „Normalerweise laufen Elektrolyseure im Dauerbetrieb. In Jülich haben wir gesehen, dass es auch kurzfristig geht. Genau das brauchen wir für erneuerbare Energien, die ja nicht gleichmäßig verfügbar sind.“

Nach zwei intensiven Tagen fällt die Bilanz ambivalent aus. Einerseits haben die Exkursionen gezeigt, dass es funktionierende Technologien gibt, die schon heute einsatzbereit sind. „Vieles ist technisch machbar. Aber der Weg ist noch lang“, fasst Müller zusammen. Wasserstoff, SAF, E-Fuels – alles ist da oder in greifbarer Nähe. Doch solange Kosten und Nachfrage nicht zusammenpassen, bleiben viele Konzepte im Pilotstadium.