Das Flugsicherheitskonzept 2025 in einem Zeitschriftenständer

Das Flugsicherheitskonzept 2025 / © Freepik

Flight Safety

VC veröffentlicht Flugsicherheitskonzept

„SafeSKY 2025“ stellt aktuelle Risiken und Handlungsfelder vor

Die Vereinigung Cockpit (VC) hat ihr neues Flugsicherheitskonzept „SafeSKY 2025“ vorgestellt. Mit dem jährlich erscheinenden Bericht identifiziert die Pilotenvereinigung aktuelle Herausforderungen, Schwachstellen und Handlungsfelder im Luftverkehr und formuliert Maßnahmen, um das hohe Sicherheitsniveau auch in Zeiten wachsender Belastungen zu sichern.
Technische Entwicklungen, steigende Anforderungen an Nachhaltigkeit und die Folgen globaler Krisen stellten die Branche vor enorme Aufgaben. Hinzu komme der erneute Anstieg des weltweiten Flugaufkommens, der die Systeme zusätzlich belaste. Trotz des hohen Sicherheitsniveaus zeigten die schweren Zwischenfälle und Unfälle der vergangenen Jahre, dass bestehende Risiken nicht vollständig erkannt oder rechtzeitig adressiert wurden.
Mit SafeSKY möchte die VC einen ergänzenden Blick auf die Flugsicherheit geben – aus der Perspektive der Pilotinnen und Piloten, die im Cockpit täglich Verantwortung tragen. Während internationale und nationale Sicherheitspläne wie der Global Aviation Safety Plan der ICAO oder der European Plan for Aviation Safety der EASA wichtige Rahmen setzen, sieht die VC zusätzlichen Handlungsbedarf. SafeSKY versteht sich als praxisnahe Ergänzung zu bestehenden Safety Management Systemen, die nicht alle Aspekte aus dem Flight Deck vollständig abbilden können.

In diesem Jahr stehen die folgenden Themen im Fokus:

  • Kollisionsrisiko & elektronische Sichtbarkeit
  • Runway Excursion & Incursion
  • Reduced Crew Operation
  • Automation
  • Flüge in und über Krisengebiete

Diese Schwerpunkte wurden auf Grundlage neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse, regulatorischer Entwicklungen und aktueller Erfahrungen aus dem Flugbetrieb festgelegt. SafeSKY 2025 baut auf der Vorjahresausgabe auf und wurde inhaltlich sowie redaktionell überarbeitet, um die neuesten Erkenntnisse abzubilden.
Die VC unterstreicht mit der Veröffentlichung ihren Anspruch, die Stimme der Pilotinnen und Piloten in die Sicherheitsdiskussion einzubringen und einen konstruktiven Beitrag zur Weiterentwicklung des Systems zu leisten. Die VC versteht Sicherheit als eine kollektive Aufgabe, die nur im Zusammenspiel aller Akteure gelingen kann und strebt daher den Dialog mit Behörden, Industrie und Fluggesellschaften an, um konkrete Verbesserungen zu erreichen.

 

Weitere Informationen zu den wichtigsten SafeSKY-Themen 2015

 
Kollisionsrisiko & elektronische Sichtbarkeit

Im unkontrollierten Luftraum steigt das Risiko von Zusammenstößen, da das Prinzip „See and Avoid“ bei zunehmendem Verkehrsaufkommen und der Integration von Drohnen nicht mehr ausreicht. Studien zeigen, dass viele Fast-Zusammenstöße und Unfälle durch fehlende gegenseitige Erkennung verursacht wurden. Elektronische Sichtbarkeit („Air-to-Air“) wird daher als zwingend notwendig angesehen, um Position und Bewegungen von Luftfahrzeugen gegenseitig darzustellen. Einheitliche europäische Regeln fehlen bislang. Die VC empfiehlt eine verpflichtende Ausrüstung aller Luftraumnutzer mit Sende- und Empfangssystemen, um das hohe Kollisionsrisiko deutlich zu senken.

Runway Excursion & Incursion

Runway Excursions – das unbeabsichtigte Verlassen einer Start- oder Landebahn – gehören weltweit zu den häufigsten Vorfällen in der Luftfahrt. Ursachen sind oft nasse Bahnen, Seitenwind oder unstabilisierte Anflüge. Folgen reichen von leichten Schäden bis zu schweren Unfällen. Schutzmaßnahmen wie Sicherheitsbereiche (RESA) oder technische Bremssysteme (EMAS) sollen die Risiken verringern. Kritisch bewertet wird, dass EMAS zwar installiert, aber in Unterlagen und Karten oft unzureichend vermerkt ist. Die VC empfiehlt bessere Informationen für Pilotinnen und Piloten, konsequente Umsetzung internationaler Präventionspläne und mehr Training im Umgang mit Wettereinflüssen und Go-Around-Entscheidungen.

Reduced Crew Operation (RCO)

Die Reduzierung von Flugbesatzungen auf eine Person wird seit Jahren diskutiert. Technische Fortschritte haben zwar Automatisierung ermöglicht, doch es entstehen neue Risiken: höhere Arbeitsbelastung, fehlende Redundanz und unzureichende Absicherung bei Ausfall des einzigen Piloten. Auch eine Unterstützung aus Bodenkontrollstationen gilt als unsicher, da Echtzeit-Kommunikation technisch nicht zuverlässig gewährleistet ist. Zudem bleiben Fragen zu Fatigue, medizinischen Voraussetzungen und Entscheidungsbefugnissen offen. Die VC bewertet RCO daher als sicherheitskritisch und lehnt eine Umsetzung ab, solange die technischen und organisatorischen Voraussetzungen nicht eindeutig erfüllt und validiert sind.

Automation

Automatisierung hat die Luftfahrt sicherer gemacht, entlastet Besatzungen und übernimmt zunehmend zentrale Aufgaben. Gleichzeitig verringert sich jedoch die manuelle Flugpraxis, da Ausbildung und Training reduziert wurden. Dadurch drohen im Notfall Überforderung und Verlust des Situationsbewusstseins. Die VC warnt, dass mehr Automatisierung oder gar Autonomie Risiken verschärfen könnte, insbesondere bei unklarer Verantwortungsverteilung. Sie empfiehlt daher mehr Aus- und Weiterbildung im Umgang mit komplexen Systemen sowie eine klare Definition der Mensch-Maschine-Schnittstellen. Autonome Systeme lehnt sie ab, solange Pilotinnen und Piloten die Befehlsgewalt an Bord tragen und Verantwortlichkeiten nicht eindeutig geregelt sind.

Flüge in und über Krisengebiete

Konfliktregionen stellen für zivile Flüge erhebliche Risiken dar, wie die Abschüsse von MH17 (2014) oder PS752 (2020) zeigen. Zwar gibt es Empfehlungen durch Behörden, doch deren Umsetzung ist lückenhaft, und wirtschaftlicher Druck erschwert Umflüge. Die VC empfiehlt, Krisengebiete grundsätzlich zu meiden und bei unvermeidbaren Einsätzen eine umfassende Risikoanalyse nach dem Vorsorgeprinzip durchzuführen. Kommandanten sollen stets die Entscheidungsfreiheit haben, ohne arbeitsrechtliche oder wirtschaftliche Nachteile. Notwendig sind zudem frühzeitige, vollständige Sicherheitsinformationen und Schulungen für Besatzungen, um Gefahren wie Raketenbeschuss oder unsichere Aufenthalte in Konfliktzonen besser einschätzen zu können.