Flight Safety

Vereinigung Cockpit zum Ryanair-Zwischenfall

Der Vorfall an Bord eines Ryanair-Fluges von Griechenland nach Deutschland, bei dem ein Passagier nach der Beschädigung eines Kabinenfensters beinahe aus dem Flugzeug gezogen wurde, muss für alle Beteiligten eine äußerst belastende und beängstigende Erfahrung gewesen sein. Unsere Gedanken sind bei den Passagieren und der Besatzung, die in einer Ausnahmesituation besonnen gehandelt haben.

Nach den bisher bekannten Informationen wurde das Fenster durch ein Trümmerteil beschädigt, das sich von einem Triebwerk gelöst haben soll. Die Ursachen müssen nun von der griechischen Sicherheitsuntersuchungsbehörde HARSIA, unterstützt durch die NTSB untersucht werden. Eine abschließende Bewertung ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich und Spekulationen verbieten sich.

Unabhängig von der konkreten Ursache lässt sich der Ablauf aus flugbetrieblicher Sicht einordnen. In Reiseflughöhe herrscht außerhalb des Flugzeugs nur ein Bruchteil des Luftdrucks in der Kabine. Kommt es zu einer strukturellen Öffnung, entweicht die Luft schlagartig nach außen. Dadurch entsteht der starke Luftstrom, der häufig als „Sog“ beschrieben wird. Der Vorfall ereignete sich bei rund 15.000 Fuß, deutlich unterhalb standartmäßiger Reiseflughöhen. Dort wäre die Druckdifferenz deutlich größer gewesen.

Der Vorfall zeigt zugleich, wie wichtig grundlegende Sicherheitsregeln an Bord sind. Der angelegte Sitzgurt ist in einem solchen Fall der entscheidende Schutzfaktor. Ebenso wichtig ist die Leistung der Cockpit- und Kabinenbesatzung. Für einen Druckverlust und vergleichbare Notfälle existieren klar definierte Verfahren, die regelmäßig trainiert werden. Dazu gehören unter anderem ein sofortiger Sinkflug auf eine Höhe, in der ohne Sauerstoffmasken geatmet werden kann (normalerweise 10.000 Fuß) sowie die anschließende Rückkehr oder Ausweichlandung. 

Bei aller Dramatik des Einzelfalls ist eine sachliche Einordnung wichtig: Solche Ereignisse sind äußerst selten. Die zivile Luftfahrt verfügt über ein mehrstufiges Sicherheitskonzept aus technischer Redundanz, standardisierten Verfahren, intensiver Ausbildung und einer ausgeprägten Sicherheitskultur. Entscheidend ist nun eine gründliche Untersuchung im Sinne der Just Culture. Ziel muss es sein, die Ursachen lückenlos aufzuklären und mögliche Erkenntnisse für die weitere Verbesserung der Flugsicherheit zu gewinnen – nicht vorschnelle Schuldzuweisungen.