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Ist die Vermeidung von Kondensstreifen eine besonders vielversprechende sofortige Maßnahme zur Verringerung der Klimaauswirkungen des Flugverkehrs?
Die Vermeidung von Kondensstreifen kann ein erhebliches Potenzial zur Reduktion der nicht-CO₂-Klimawirkungen haben. Allerdings ist die genaue Vorhersage von Ausdehnung und Position eis-übersättigter Bereiche – und damit potenzieller Contrail-Prone Areas (also Luftschichten, in denen die Bedingungen besonders gut für die Bildung und anhaltende Sichtbarkeit von Kondensstreifen sind) – derzeit noch unzureichend. Ein wesentlicher Grund dafür ist die mangelnde Feuchtemessung in den relevanten Höhen.
Außerdem lässt sich die genaue Klimawirkung einzelner Kondensstreifen über ihre komplette Lebensdauer bisher nur mit einer großen Unsicherheit bestimmen. Auch die Umsetzung in der Praxis ist schwierig, weil der europäische Luftraum sehr komplex ist. Es bestehen viele offene Fragen, wie eine operative Kondensstreifenvermeidung logistisch realisiert werden könnte.
Gibt es Möglichkeiten für erste Schritte trotz der Komplexität?
Ja. Trotz der enormen Komplexität einer globalen, umfassenden Einführung besteht die Möglichkeit, in kleinerem Maßstab konkrete Schritte zu gehen. In verkehrsarmen Regionen und zu verkehrsschwachen Zeiten könnten erste gezielte Maßnahmen erprobt werden – besonders in Zeiträumen, in denen ausschließlich wärmende Kondensstreifen zu erwarten sind (vor allem nachts).
Wie könnten solche Pilotprojekte aussehen? Wie sie bereits vereinzelt auch von deutschen Airlines durchgeführt wurden
In eng definierten Testfeldern könnten Kondensstreifen durch strategische Eingriffe wie eine vorausschauende Flugplanerstellung oder durch taktische Anpassungen, etwa kurzfristige Änderungen der Flugrouten, vermieden werden. Potenziell negative Effekte – etwa erhöhter Treibstoffverbrauch, zusätzlicher CO₂-Ausstoß oder Einschränkungen der Luftraumkapazität aufgrund ungenauer Vorhersagen oder Fehleinschätzungen – blieben in diesem Rahmen überschaubar.
Welchen Nutzen hätten solche kleineren Pilotprojekte?
Der wissenschaftliche Erkenntnisgewinn könnte erheblich sein. Solche Projekte würden ermöglichen, aus Fehlern frühzeitig zu lernen, Prognosemodelle zu verfeinern und damit auf einem möglicherweise – ja vermutlich – sehr wichtigen Zukunftsfeld rasch Fortschritte zu erzielen.
Lohnt es sich für Airlines Kondensstreifen zu vermeiden?
Die Vermeidung von Kondensstreifen wird nicht aus reinem Selbstzweck erfolgen. Airlines werden den dafür nötigen operativen und finanziellen Aufwand erst dann betreiben, wenn Nicht-CO₂-Effekte wie die Klimawirkung von Kondensstreifen in ein Emissionshandelssystem (ETS) einbezogen werden.
Genau hier beginnt das Problem: Während die Klimawirkung von Treibhausgasen wie CO₂ gut verstanden ist – so gut, dass man mithilfe von Modell-Ensembles relativ zuverlässig den Zusammenhang zwischen CO₂-Ausstoß und globaler Temperaturerhöhung bestimmen kann –, ist dies bei einzelnen Kondensstreifen deutlich schwieriger. Die Klimawirkung eines spezifischen Contrails exakt zu quantifizieren, ist bislang eine Herausforderung.
Was ist das Fazit?
Das Potenzial zur Verringerung der Klimaauswirkungen ist vorhanden. Es ist positiv, dass Airlines sich an Projekten beteiligen, die sowohl die Wirkung als auch die organisatorische Umsetzung untersuchen.
Für eine umsetzbare Strategie zur Kondensstreifenvermeidung braucht es jedoch genaue Informationen, etwa:
Erst wenn diese Größen verlässlich bekannt sind, lässt sich entscheiden, ob Kondensstreifenvermeidung aus Sicht von Klima, Operation und Kosten sinnvoll ist.