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Michael und Sophie Gertz / © privat
Wie seid ihr beide zur Fliegerei gekommen?
Michael: Bei mir war es eher Zufall. Ich habe nach Schule und Bundeswehr ein Maschinenbaustudium absolviert, das mir aber keinen richtigen Spaß gemacht hat. Über einen Freund, der Towerlotse und Fluglehrer war, bin ich zur Fliegerei gekommen. Innerhalb weniger Tage wusste ich: Das ist was für mich. Zuerst habe ich den Privatpilotenschein im Verein gemacht, dann die Ausbildung. Und schließlich bin ich bei Eurowings eingestiegen.
Sophie: Pilotin zu werden war nicht von Anfang an mein Traumberuf. Ich hatte als Kind gar keine konkrete Vorstellung davon, was Papa beruflich eigentlich genau macht – er war einfach mehrere Tage weg, bei der Arbeit. Darum habe ich auch erst einmal ein Studium angefangen: Geographie mit Schwerpunkt Satellitenfernerkundung. Dabei habe ich mich viel mit Satellitenbildern beschäftigt, um Karten und Auswertungen zu erstellen. Irgendwann kam mir der Gedanke: Statt die Bilder am Bildschirm auszuwerten, könnte ich auch einfach losfliegen und mir das Ganze direkt anschauen. Das war natürlich nur ein Gedanken, aber er hat meine Neugier für die Fliegerei bestärkt.
Wann kamst du schließlich auf die Idee, in die Fliegerei zu gehen? Gab es einen konkreten Moment, der dafür den Ausschlag gegeben hat?
Sophie: Ja, als wir während meines Studiums zum ersten Mal als Familie zusammen in den Urlaub geflogen sind, ist mir bewusst geworden, wie Papas Beruf aussieht und ich bin neugierig geworden. Ab da haben wir viel darüber gesprochen und die Entscheidung ist mir nicht leichtgefallen. Aber irgendwann habe ich gesagt: „Ich mache das jetzt!“ und habe mich beworben. Als die Zusage kam, war ich selbst überrascht, dass es so einfach geklappt hat.
Zwei Generationen, derselbe Beruf: Wie ist das in eurem (Berufs-) Alltag? Könnt ihr euch gegenseitig unterstützen? Tauscht ihr euch viel aus?
Sophie: Auf jeden Fall. Während meiner Ausbildung zum Beispiel hat mir Papas pragmatische Art sehr geholfen: Es ging um ein Thema aus der Navigation, das mir einfach nicht in den Kopf wollte. Als ich mit Papa darüber gesprochen habe, hat er einen Bierdeckel genommen, eine Kompassroste darauf gemalt und es mir erklärt – und plötzlich hat es Klick gemacht.
Michael: Auch wenn im Flugbetrieb mal etwas ungewöhnliches passiert oder ein technischer Fehler auftaucht, sprechen wir darüber, zum Beispiel wie man damit umgegangen ist, was man hätte anders machen können. Solche Erfahrungen sind eine große Schatzkiste, ich gebe sie gern weiter.
Sophie: Eine Situation ist mir besonders im Gedächtnis geblieben: Das war relativ am Anfang, ich war gerade erst ausgecheckt. Wir saßen im Cockpit und plötzlich kamen etliche Fehlermeldungen. Mein erster Gedanke war: Rufe ich jetzt die Technik? Aber dann habe ich erstmal kurz Papa angerufen und gefragt, was er machen würde. Auch hier war seine Antwort pragmatisch: Flieger aus, wieder an, schauen, ob alles läuft. Und so war es tatsächlich. Solche Momente zeigen, wie viel wert es ist, wenn man jemanden mit mehr Erfahrung an der Seite hat, den man auch mal ganz spontan fragen kann.
Wie hat sich aus eurer Sicht der Beruf im Laufe der Jahre geändert?
Michael: Ich erinnere mich natürlich noch gut, wie es war, als ich angefangen habe. Komplett verändert hat sich der Beruf nicht, aber die Arbeitsverdichtung hat schon spürbar zugenommen. Vieles, was früher auf mehrere Personen verteilt war, läuft heute im Cockpit zusammen. Auch die Flugdienstzeiten und die Taktung der Umläufe haben sich verändert. Das merkt man schon, wenn man wie ich länger dabei ist.
Sophie: Aus eigener Erfahrung kann ich das natürlich nicht sagen, aber der Arbeitsalltag ist schon ziemlich dicht getaktet. Allerdings hat sich natürlich auch technisch vieles getan, was die Arbeit an manchen Stellen auch erleichtert.
Es gibt immer noch sehr wenige Pilotinnen. Hat das für dich im Berufsalltag oder in der Ausbildung eine Rolle gespielt? Wie nimmst du das wahr?
Sophie: Ich hatte während meiner Ausbildung das Glück, dass ich in meinem Kurs nicht allein war - wir waren zu dritt. Das hat mir geholfen, weil man sich gegenseitig bestärken konnte. Ich glaube, viele Frauen sind selbstkritischer und trauen sich vielleicht weniger zu – natürlich gilt das nicht für alle! Sich zu hinterfragen und gründlich vorzugehen ist gut, aber nicht zu sehr an sich selbst zweifeln. Schon gar nicht nur deshalb, weil man in der Unterzahl ist.
Michael: Ich glaube außerdem, dass der Beruf für Außenstehende sehr abgeschlossen wirkt. Wenn man niemanden in der Branche kennt, weiß man kaum, wie der Alltag aussieht und was einen erwartet. Auch das macht die Entscheidung für diesen Beruf schwerer – für Männer wie für Frauen.
Was begeistert euch an eurem Beruf am meisten?
Michael: Dass jeder Tag anders ist, obwohl er auf den ersten Blick gleich aussieht. Die Abwechslung, das Wetter, die unterschiedlichen Bedingungen – je mehr los ist, desto mehr Spaß macht es eigentlich.
Sophie: Ein Kollege hat mal gesagt: Fliegen ist besser als Arbeiten. Aber im Ernst: Es fühlt sich oft nicht wie Arbeit an. Klar, es gibt auch mal Tage, an denen es anders ist, aber im Kern macht es einfach Spaß. Ich mag besonders die Frühschichten, wenn die Sonne aufgeht und man die Welt von oben sieht. Das ist selbst im Berufsalltag jedes Mal ein Highlight für mich.
Seid ihr auch schon einmal zusammen geflogen?
Sophie: Bisher noch nicht, aber wir arbeiten daran! Es ist fest eingeplant, dass wir das irgendwann einmal gemeinsam erleben.
Michael: Wir drücken uns gegenseitig die Daumen, dass es bald klappt. Mit einem von Sophies Lehrgangskollegen war ich kürzlich erst unterwegs.