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„Wir wollen die erste Anlaufstelle für junge Menschen in der Luftfahrt werden“

Vor gut einem Jahr ging die jungeVC an den Start. Die Nachwuchsorganisation der Vereinigung Cockpit will junge Pilotinnen und Piloten erreichen, vernetzen und ihnen eine Stimme geben.

Im Doppelinterview sprechen Sophie Gertz und Oscar Knabe über holprige Anfänge, erste Erfolge und darüber, warum Gewerkschaftsarbeit weit mehr ist als Tarifpolitik.

Ein Jahr jungeVC. Hand aufs Herz: War der Start so einfach, wie ihr euch das vorgestellt habt?
Sophie: Nicht ganz. Wir sind zunächst als Taskforce gestartet, bevor wir uns als Gremium aufstellen konnten. Anfangs war es gar nicht so leicht, genügend Engagierte zu finden. Inzwischen sind wir sechs Leute. Wir mussten erst einmal herausfinden, wie wir uns organisieren, wer wofür zuständig ist und wie wir unsere Ideen umsetzen können. Schließlich gab es so eine Struktur in der VC vorher nicht.
Oscar: Die ersten Monate waren tatsächlich eine Art Selbstfindungsphase. Wir mussten klären: Wofür stehen wir eigentlich? Was wollen wir erreichen? Und wie machen wir das konkret? Inzwischen merkt man, dass Routine einkehrt. Wir wissen, wie wir Veranstaltungen organisieren, auf Anfragen reagieren und vor allem, was junge Pilotinnen und Piloten von uns erwarten. Das ist ein gutes Gefühl.

 

Braucht eine Pilotengewerkschaft wirklich eine eigene Jungorganisation?
Sophie: Unbedingt. Viele Flugschülerinnen und Flugschüler verbinden die Vereinigung Cockpit vor allem mit Tarifverhandlungen. Dabei macht die VC so viel mehr. Es gibt zahlreiche Arbeitsgruppen, in denen man sich engagieren und die Zukunft unseres Berufs mitgestalten kann. Genau das wollen wir zeigen. Und natürlich möchten wir eine Anlaufstelle sein, bei der sich junge Menschen mit ihren Fragen und Anliegen direkt melden können.


Was macht euch zu besseren Ansprechpartnern als die erfahrenen Kolleginnen und Kollegen?
Oscar: Es geht gar nicht darum, besser zu sein. Aber wir sind altersmäßig näher dran, haben die Ausbildung selbst noch gut in Erinnerung und kennen viele Fragen aus eigener Erfahrung. Die Hemmschwelle ist einfach niedriger, wenn man jemanden anspricht, den man vielleicht schon bei einem Flugschulbesuch kennengelernt hat. Und wenn wir selbst keine Antwort haben, können wir innerhalb der VC an die richtigen Expertinnen und Experten vermitteln.
 

Was habt ihr in eurem ersten Jahr konkret erreicht?
Sophie: Unser Schwerpunkt lag auf den Flugschulen. Wir besuchen Flugschülerinnen und Flugschüler, stellen die VC vor und erklären, welche Möglichkeiten sie bietet. Inzwischen haben wir einen gewissen Rhythmus entwickelt. Manche Schulen besuchen wir zweimal jährlich, andere einmal. Gleichzeitig haben wir begonnen, eigene Veranstaltungen aufzubauen, bei denen es nicht nur um Informationen geht, sondern vor allem um Austausch und Vernetzung.
Oscar: Und wir merken, dass das funktioniert. Wir gewinnen neue Mitglieder, bekommen positive Rückmeldungen und inzwischen auch Anfragen von Flugschulen, die möchten, dass wir vorbeikommen. Das bestätigt uns in unserer Arbeit. Gleichzeitig sehen wir dadurch, wo wir bisher noch gar nicht präsent sind. Da steckt also noch einiges an Potenzial drin.

 

Junge Menschen gelten nicht unbedingt als besonders begeisterte Gewerkschafter. Ist das bei angehenden Pilotinnen und Piloten anders?
Sophie: Viele haben sich mit Verbandsarbeit einfach noch nicht beschäftigt. Sie wissen oft gar nicht, welche Möglichkeiten es gibt, sich einzubringen. Deshalb wollen wir zeigen, dass Engagement nicht erst dann anfängt, wenn man jahrelang im Cockpit sitzt. Man kann schon früh mitgestalten, Erfahrungen sammeln und von älteren Kolleginnen und Kollegen lernen.
 

Ihr wollt also auch Nachwuchs für die Verbandsarbeit gewinnen?
Sophie: Genau. Viele Arbeitsgruppen stehen vor der Herausforderung, neue Engagierte zu finden. Wir könnten uns gut vorstellen, junge Pilotinnen und Piloten künftig noch gezielter an diese Arbeit heranzuführen. Das wäre für beide Seiten ein Gewinn: Die Jüngeren profitieren von der Erfahrung der Älteren, und gleichzeitig kommen neue Perspektiven in die Verbandsarbeit.
 

Ihr schaut aber auch über die eigene Branche hinaus. Warum?
Sophie: Weil wir viel voneinander lernen können. Wir tauschen uns mit Jugendorganisationen anderer Verbände, aber auch mit denen politischer Parteien aus. Solche Kontakte sind wertvoll, weil sie den Blick über den eigenen Tellerrand hinaus erweitern. Wir erfahren, welche Themen junge Menschen in anderen Bereichen beschäftigen, wo es Gemeinsamkeiten gibt und was wir voneinander lernen können. Und ganz nebenbei entstehen neue Ideen für gemeinsame Veranstaltungen und Projekte.

 

Oscar, gab es im ersten Jahr auch Momente, in denen ihr an eure Grenzen gestoßen seid?
Oscar: Natürlich. Wir haben bereits Situationen erlebt, in denen wir mit unterschiedlichen Erwartungen und kritischen Stimmen umgehen mussten. Nicht jedes Ergebnis kann alle Beteiligten zufriedenstellen. Aber gerade daran sind wir gewachsen. Man lernt, Kritik anzunehmen, Positionen zu vertreten und auch dann konstruktiv zu bleiben, wenn es schwierig wird. Das gehört zur Verbandsarbeit dazu.
 

Sophie, was hat dich persönlich am meisten überrascht?
Sophie: Wie viel Freude es macht, etwas von Grund auf aufzubauen. Natürlich läuft nicht immer alles reibungslos. Jeder bringt eigene Vorstellungen mit, und manchmal muss man erst einen gemeinsamen Weg finden. Aber wir sind als Team wirklich zusammengewachsen. Besonders schön finde ich, dass immer wieder neue Ideen entstehen und wir gemeinsam überlegen, wie wir sie umsetzen können. Und ich selbst lerne dabei unglaublich viel, auch von den erfahrenen Kolleginnen und Kollegen innerhalb der VC.
 

Und was soll in einem Jahr anders sein als heute?
Oscar: Wir wollen unser Angebot weiter ausbauen und noch mehr junge Pilotinnen und Piloten erreichen. Wir haben im ersten Jahr schon einiges geschafft, aber wir merken immer deutlicher, wie viel noch möglich ist. Unser Ziel ist, dass die jungeVC für junge Menschen in der Luftfahrt zu einer selbstverständlichen Anlaufstelle wird.
Sophie: Und dass junge Kolleginnen und Kollegen nicht nur wissen, dass es die VC gibt, sondern auch, dass sie selbst etwas bewegen können. Wenn wir es schaffen, mehr junge Menschen für den Austausch und die Verbandsarbeit zu begeistern, haben wir viel erreicht.
 

Ein Jahr Aufbauarbeit liegt hinter euch. Würdet ihr noch einmal anfangen?
Sophie: Auf jeden Fall. Es macht wirklich Spaß, gemeinsam etwas zu entwickeln und zu sehen, wie daraus nach und nach etwas wächst.
Oscar: Absolut. Vor einem Jahr war noch vieles offen. Heute wissen wir viel besser, wohin wir wollen. Und wir haben noch einiges vor.


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