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Die Vereinigung Cockpit (VC) mahnt nach der Veröffentlichung des Zwischenberichts zum Vorfall in München mit einer Boeing 787 von Vietnam Airlines zu einer sachlichen Bewertung der bislang vorliegenden Erkenntnisse. Die fristgerechte Veröffentlichung des Zwischenberichts ist ausdrücklich zu begrüßen. Der Bericht enthält wichtige Daten dazu, was während des Startvorgangs passiert ist. Die entscheidende Frage, warum es zu dem Vorfall kam, bleibt jedoch weiterhin offen. Für die weitere Untersuchung und die Klärung der Ursachen steht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) nun weitere Zeit zur Verfügung.
„Der Zwischenbericht zeigt Auffälligkeiten, aber er liefert noch keine abschließende Erklärung dafür, wie sie entstanden sind“, sagt Sebastian Kloth, Leiter der Arbeitsgruppe Accident Analysis & Prevention (AAP) der Vereinigung Cockpit. „Entscheidend ist jetzt die Frage, wodurch der registrierte Bremsvorgang ausgelöst wurde. Dafür kommen grundsätzlich unterschiedliche technische und menschliche Faktoren sowie eine Kombination daraus infrage. Eine eindeutige Ursachenzuschreibung wäre zum jetzigen Zeitpunkt Spekulation.“
Aus Sicht der VC muss insbesondere zwischen den von den Systemen aufgezeichneten Eingaben und der Ursache dieser Eingaben unterschieden werden. Dass ein Bremssystem einen entsprechenden Input registriert und in Bremsdruck umgesetzt hat, lässt sich aus dem Zwischenbericht ableiten. Die entscheidende Frage, wie dieser Input zustande kam, lässt sich auf Grundlage der bislang vorliegenden Informationen jedoch noch nicht beantworten, was zu diesem Zeitpunkt in der Untersuchung völlig normal ist.
„Wir wissen derzeit nicht, ob ein technischer Hintergrund vorlag, ob es zu einer unbeabsichtigten Betätigung kam oder ob mehrere Faktoren zusammengewirkt haben“, erklärt Kloth. „Genau dafür gibt es eine professionelle Flugunfalluntersuchung. Sie soll nicht möglichst schnell einen Verantwortlichen benennen, sondern nachvollziehen, wie es zu einem Ereignis gekommen ist und welche Lehren daraus für die Flugsicherheit gezogen werden können.“
Besondere Vorsicht ist daher nach Ansicht der VC bei Darstellungen geboten, die bereits einen bewussten oder eindeutig einem Piloten zuzuordnenden Bremsvorgang suggerieren.
„Beim Start will eine Besatzung beschleunigen und das Flugzeug sicher in die Luft bringen. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, dass Bremsdruck vorhanden war, sondern warum er vorhanden war“, so Kloth.
Ein weiterer zentraler Punkt ist nach Einschätzung der VC die Phase, in der das Flugzeug trotz des laufenden Startvorgangs über mehrere Sekunden nicht weiter beschleunigte.
Besonders zu klären ist, weshalb das Flugzeug über einen Zeitraum von rund 18 Sekunden nicht wie erwartet weiter beschleunigte. „18 Sekunden sind während eines Startlaufs eine erhebliche Zeitspanne. Wir müssen verstehen, was in dieser Phase technisch passiert ist, welche Informationen der Besatzung zur Verfügung standen und wie die Situation im Cockpit wahrgenommen wurde“, sagt Kloth.
Ein Zwischenbericht wirft in der Regel viele Fragen auf. Die Vereinigung Cockpit hofft, dass der Abschlussbericht zur Klärung dieser offenen Fragen beitragen wird.
„Ein Zwischenbericht ist genau das: ein Zwischenstand“, betont Kloth. „Die entscheidenden Fragen sind noch offen. Deshalb sollten wir den Abschluss der Untersuchung abwarten, bevor aus einzelnen Messwerten eine vermeintlich eindeutige Ursache abgeleitet wird.“